Warum Maja Haderlap die verdiente Siegerin des Bachmann-Wettbewerbs ist

Siegerin des Bachmann-Wettbewerbs: Ein wirklich makelloser Text

Maja Haderlap Foto: dpa

Klagenfurt. Jahr für Jahr saß Maja Haderlap im Publikum des Bachmann-Preises in ihrer Heimat Klagenfurt und beobachtete die wohl intellektuellste Casting-Show im deutschsprachigen Raum. „Da würde ich nie mitmachen“, dachte sich die Chefdramaturgin am Stadttheater Klagenfurt angesichts ihrer vorlesenden Autoren-Kollegen, deren Texte im Anschluss von der Jury teils vernichtend zerrissen werden.

Mit 50 ließ sich die zurückhaltende Frau mit dunklen Locken doch überreden - und bekam prompt eine der wichtigsten Auszeichnungen der Literaturszene.

Haderlap hat den mit 25 000 Euro dotierten Ingeborg-Bachmann-Preis hochverdient gewonnen. Ihr sprachlich herausragender Text thematisiert den slowenischen Widerstand in Kärnten gegen die nationalsozialistische Unterdrückung und die deutsche Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg.

Haderlap selbst ist im südlichsten Ort Österreichs geboren, in Bad Eisenkappel oder, wie es auf dem zweisprachigen Ortseingangsschild auch steht, in Zelezna Kapla. Ihre Familie spricht Slowenisch, erst in der Schule lernte sie richtig Deutsch. Sie bewegte sich mühelos in ihrer zweisprachigen Welt, studierte Theaterwissenschaften und Deutsche Philologie in Wien, arbeitete als Dramaturgie- und Produktionsassistentin in Triest und Ljubljana, sie dichtete, übersetzte, gab eine slowenischsprachige Literaturzeitschrift heraus.

Der erste Prosa-Text der Lyrikerin, mit dem sie von Jurorin Daniela Strigl eingeladen worden war, ist ein Auszug aus ihrem Roman „Engel des Vergessens“. Der Göttinger Wallstein-Verlag, der das bewegende Buch über den slowenischen Widerstand veröffentlicht, hat den Erscheinungstermin vorgezogen - das Buch ist ab sofort erhältlich. Es ist aus der Perspektive eines vielleicht zwölfjährigen Kindes erzählt.

Die Jury zeigte sich überwiegend beeindruckt. Als präzise gearbeitet, poetisch, tiefgründig wurde ihr Text charakterisiert. Wenn Jurorin Meike Feßmann einwandte, es sei unwahrscheinlich, dass das Kind den Ortsnamen „Dachau“ schon gehört habe, wusste sie nicht, dass Klagenfurt und Dachau Partnerstädte sind. Der Romanauszug, Arbeitstitel „Im Kessel“, ist der makellose Text, als den Jean Claude Sulzer ihn bezeichnete.

„Engel des Vergessens“ hat Haderlap auf Deutsch geschrieben, „weil mir das den nötigen Abstand ermöglicht“. Das Romandebüt habe sie ihr Leben lang begleitet, der Text sei in ihr gereift. „Man braucht auch emotionale Kraft, um ihn zu schreiben, deswegen hat es auch ein bisschen gedauert.“

Maja Haderlap: Engel des Vergessens. Wallstein, 288 S., 18,90 Euro, Wertung: !!!!!

Von Harald Loch und Miriam Bandar

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.