Der Zeichner Wilhelm Schlote im Interview über seine Kunst und seine Pläne für ein neues Kassel-Plakat

Ein neues Kassel-Plakat soll her: Was sind Ihre Ideen?

Wilhelm Schlote

Fast jeder kennt die bunten Zeichnungen mit den Strichmännchen Wilhelm Schlotes. Der Zeichner ist bekannt durch Cartoons, Postkarten, Bücher und seine Stadtplakate. Nun soll ein neues Stadtplakat entstehen, und Sie, liebe Leser, können mitentscheiden, welche Motive zu sehen sein sollen. Wir sprachen mit dem Künstler.

Herr Schlote, wie kamen Sie darauf, Stadtplakate zu zeichnen?

Wilhelm Schlote: Ich wollte die Leute für meinen Strich sensibilisieren. Als in den 80ern die bekannten Schlote-Postkarten mit den Strichmännchen plötzlich nicht mehr liefen, dachte ich, wenn ich jetzt ein Stadtplakat von Kassel mache, da sind all meine Strichmännchen drauf, da ist mein Stil drauf. Und wenn die Leute das Plakat kaufen, weil Kassel draufsteht, leben die dann mit meinem Stil an der Wand. Joseph Beuys hat das so schön Sensibilisierung genannt. Deshalb habe ich Stadtplakate gemacht - als erstes Kassel.

Sie haben Ihren Stil angesprochen, den Sie auch als Krikelkrakel-Stil bezeichnen. Wie sind Sie darauf gekommen?

Zur Person:

Wilhelm Schlote (64) wurde in Lüdenscheid geboren und wuchs in Essen auf. Er studierte in Kassel Kunst und veröffentlichte schon während seines Studiums das erste von 35 Kinderbüchern. 1976 erhielt er den Deutschen Jugendbuchpreis. Von 1973 bis 1978 war Schlote Lehrer im Schuldienst. 1978 zog er nach Paris, wo er mit seiner Frau seither lebt. Das Paar hat eine Tochter, die in Kassel geboren wurde, und eine Enkeltochter. Neben Buch-Illustrationen schuf Schlote unzählige Postkartenmotive und rund 150 Stadtplakate.

Schlote: Wenn Sie am Schreibtisch sitzen und Cartoons machen, dann haben Sie daneben immer ein Schmierblatt, wo Sie ausprobieren. Mir gefielen diese Blätter oft mehr als meine fertigen, perfekten. Daraufhin habe ich ein Buch gemacht, das hieß „Krikel, Krakel und Andantino“. Andantino ist eine wunderbar perfekte Clownsfigur. Und nebenan auf meinem Schmierblatt waren die Strichmännchen Krikel und Krakel. Und die kamen in ein Gespräch: Was ist wirklich Kunst? Ist es die Perfektion, oder ist es das Krikelkrakel? Ich bin natürlich der Meinung, dass die wirkliche Kunst Krikel und Krakel ist.

Ist dieser Stil Ihr alleiniges Markenzeichen?

Schlote: Er ist ein Markenzeichen, aber es gibt einen Künstler, der seit den 60ern etwas Ähnliches in der Malerei machte wie ich in der Illustration. Das ist Cy Twombly. Er hat die Krikelage zur Kunst erhoben, und ich bewundere ihn sehr. Wobei bei mir das Figurative in der Krikelage etwas ganz, ganz Wichtiges ist. Das ist bei Twombly nicht so.

Für Ihr neues Kassel-Plakat sollen unsere Leser Ihnen mitteilen, was sie darauf gern vorfinden würden. Was für Vorschläge erwarten Sie?

Schlote: Meine Stärke ist es, mich von Menschen anregen zu lassen. Begebenheiten regen mich natürlich mehr an als Gebäude. Wenn jemand sagt, für mich wird Kassel immer wieder der Silvesterabend an der Löwenburg sein, dann finde ich das schön, weil ich daraus eine Geschichte machen kann. Oder Paddler auf der Fulda. Gibt es da nicht einen Wassergott? Ich bin sehr gespannt, was da an Ideen kommt.

So machen Sie mit:

Wer Motiv-Ideen für Wilhelm Schlotes Kassel-Plakat hat, schickt diese an die HNA-Kulturredaktion, Frankfurter Straße 168, 34121 Kassel, oder per Mail an kulturredaktion@hna.de Wichtig: Der Künstler benötigt dazu ein Foto, das das gewünschte Motiv vollständig und unverzerrt zeigt. Einsendeschluss ist der 23. Oktober. Unter allen Einsendern werden zehn Plakate verlost. Das fertige Plakat wird an dieser Stelle vorgestellt.

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