Witz und Sentiment: Ulrich Tukur und seine Rhythmus Boys

Unbeschwert und ein wenig anarchisch: Ulrich Tukur singend am Klavier. Foto: Malmus

Kassel. Am Ende des Konzerts ist der Boden bedeckt mit Blättern. Der Mann am Klavier hat die Notenseiten eine nach der anderen nach unten gewischt. Erledigt, gespielt. Ulrich Tukur in Bestform.

Und wenn er einen Song vergessen hat, lächelt dieser Tausendsassa sein Bubenlächeln ins Publikum, „es hat mir sowieso nicht gefallen“. Ulrich Tukur gewinnt mit seinen Rhythmus Boys am Freitagabend im ausverkauften Schauspielhaus die Zuhörer auf Anhieb mit seinem Witz, seinem Charme, mit unverstellter Pose und natürlich mit seinem Song, der „Musik für schwache Stunden“.

Dem charismatischen Schauspieler („Rommel“, „Tatort“), der seine Tanzkapelle 1995 ins Leben gerufen hat, haben es die Lieder von damals, Songs der 20er- und 30er-Jahre angetan. Und wenn er, Opa-Anzug und Gigolo-Schuhe, diese anstimmt, wird man zurückversetzt in eine Zeit, deren Lieder so echt und luftig klingen, obwohl die Jahre eher schwer waren.

Tukur und sein Herren-Trio (Ulrich Mayer, Gitarre, Günter Märtens, Kontrabass, Kalle Mews, Schlagzeug) lassen sie alle vorüberziehen wie Perlen an einer Kette: Hildegard Knefs „Wenn die Sonne hinter den Dächern versinkt“, das Zarah-Leander-Lied „Ich steh im Regen“ oder das Lied von fröhlichen Kakadu.

Die schwachen Stunden erzählen von Abschied und Tod, von vergangenen Lieben. Tukur irrlichtert dabei zwischen Witz und Pathos, Sentiment und Klamauk, alles scheint unbeschwert und ein wenig anarchisch: Der begnadete Entertainer spielt mal Piano, mal Akkordeon, moderiert mit einer kräftigen Prise Ironie und zeigt überhaupt, dass er alles nicht so ernst nimmt. Den Nonsens seiner drei Musiker, die „drei Pölsen“ mit ihrer dänischen Kraftakrobatik oder ihrer Fahrt im Weltall, muss man mögen - den Erfolg des Abends schmälert er jedoch nicht.

Am Ende des Konzertes geben die vier von der ältesten Boygroup der Welt noch vier Zugaben, eine davon, ihr nur instrumental vorgetragenes „La Paloma“, verhallt dann melancholisch im Dämmerlicht, Musik wie eine Droge. Stürmischer Applaus und Standing Ovations für einen wunderbaren Ulrich Tukur und seine Rhythmus Boys.

Von Juliane Sattler

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