„Witze-Bitch“ und Feministin: Carolin Kebekus in Kassel

Gegen sie ist Bushido ein Waschlappen: Komikerin Carolin Kebekus in der Kasseler Stadthalle. Foto: Zgoll

Sie hat sich mit der katholischen Kirchen angelegt und zuletzt sogar Helene Fischer veräppelt. Komikerin Carolin Kebekus ist wütend, anstrengend und sehr lustig, wie sie in Kassel bewies.

Kassel. Seitdem die Komikerin Carolin Kebekus als lustigste Frau Deutschlands gilt, hat sie ein Problem: Sie wird in Clubs nicht mehr angebaggert, wie die Kölnerin beim Auftritt in der ausverkauften Kasseler Stadthalle verriet. Als Kebekus noch unbekannt war, hörte sie abends einmal den Spruch: „Hey Baby, ich glaube, es gibt Krieg.“ „Warum denn?“, fragte sie. Und der Typ antwortete: „Mein Säbel juckt.“

Männer sind manchmal nicht besondern kreativ - und sie haben Angst vor erfolgreichen Frauen. Deshalb schicken ihr manche heute Bilder von ihren Penissen. Kebekus sagt: „Es ist süß, dass ihr denkt, wir würden genauso funktionieren wir ihr.“ Männer sagen ja: „Es ist ein Apfel. Es ist rund. Es sieht aus wie ein Arsch.“ Frauen dagegen „brauchen eine Geschichte drumherum“.

Die Geschichten, die Kebekus in den wahnsinnig wütenden und witzigen zwei Stunden von „Pussy Terror“ erzählt, drehen sich fast immer um Frauen und Männer. Aber diese Frau ist bei weitem nicht so platt wie Mario Barth, und sie ist nicht so besserwisserisch wie Alice Schwarzer. Für die deutsche Comedy-Szene ist sie ein Segen und für den modernen Feminismus sicher wichtiger als die Steuersünderin und Kachelmann-Vorverurteilerin.

Um mit der zweifachen Comedy-Preisträgerin Spaß zu haben, darf man allerdings nicht empfindlich sein. Wer nun weiterliest, soll sich also nicht beschweren, er sei nicht gewarnt worden. Das Wort „Arschfick“ benutzt die selbst ernannte „Witze-Bitch“ in zwei Stunden öfter als Bushido in seinem Gesamtwerk.

Kebekus mokiert sich über die „Hartgeldstrichnutten“, die sich dem RTL-„Bachelor“ wie Ware anbieten und damit „100 Jahre Emanzipation in zehn Minuten vernichten“. Sie erzählt von ihrer ersten Menstruation und mokiert sich über „Tatort“-Darstellerin Simone Thomalla und deren Botox-Gesicht, das in jeder Szene „so aussieht, als hätte man ihr gerade einen Schwanz aus dem Mund genommen“.

Kebekus will sich von der Gesellschaft nicht einreden lassen, dass sie zu fett sei. Das P in Pussy steht bei ihr für Pointe und Party, aber eben auch für Politik und Protest gegen den Perfektionierungswahn. Für ihre weiblichen Fans ist sie eine rebellische Aufklärerin. Die Männer schätzen an ihr, dass sie viel über Sex redet, Bier statt Prosecco trinkt und und für ihr Leben gern Fleisch isst („Ich war 15, als ich lernte, dass man auch Käse aufs Brot legen kann“). Ob Frauen oder Männer - am Ende stehen alle.

Der Jubel ist fast so euphorisch wie nach dem deutschen WM-Triumph, der Kebekus von Helene Fischer und ihrer „Friseusen-Disco-Bums-Musik“ kaputt gemacht wurde. Die Schlagerkönigin hält sie für den „Teufel“. Sie stehe für das neue Frauenbild: „harmlos, niedlich und süß“. Kebekus ist genau das Gegenteil.

Von Matthias Lohr

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