Der Kartenverkauf bei den Bad Hersfelder Festspielen ist schwach - Was andere Festival-Orte tun

Bad Hersfelder Festspiele: Wohin geht das Freilichttheater?

Neue Entwicklungen: Nicht immer ist die Bad Hersfelder Stiftsruine so gut gefüllt.

Bad Hersfeld. Freilichttheater ist ein schwieriges Geschäft. Kulturbesucher werden einerseits wählerischer, zugleich konkurrieren mehr Events um Gäste. Bei den Bad Hersfelder Festspielen ist in diesem Jahr der Kartenverkauf bisher schwach.

Das Nachbarfest
in Bad Gandersheim

Das zweite große Freilicht-Theaterfest in der Region, die Bad Gandersheimer Domfestspiele in Südniedersachsen, hat auch Schwierigkeiten. Die Stadt kann den Etat von 1,3 Millionen Euro nicht mehr allein tragen. Deshalb wird ab Oktober die neue Festspiel GmbH den Betrieb übernehmen, die zwei weitere Partner ins Boot holt. „Es muss besser werden und weitergehen“, sagte Intendant Johannes Klaus, der wegen der unruhigen Lage ein Jahr länger als geplant in der Domstadt bleibt. Die Domfestspiele sind über die Jahre immer musikorientierter geworden, dieses Jahr haben drei von vier Produktionen einen musikalischen Schwerpunkt. Der Kartenvorverkauf läuft nach Auskunft der Festspielleitung gut, knapp 35 000 Karten sind verkauft, das entspricht den Vorjahreszahlen (Gesamt 2009: 46 000).

61.000 Tickets sind verkauft, das sind 6400 Karten weniger als zur gleichen Zeit im Vorjahr, sagte die Festspielverwaltung. Gleichzeitig wurden aber zwölf Aufführungen mehr angesetzt. Kalkuliert wird mit 93 000 Karten. Ein Defizit droht - auch wenn, so Pressesprecherin Maren Dey, die Verkäufe nach den drei großen Premieren in der Stiftsruine (wovon zwei je zu einem Drittel leer geblieben waren) jetzt anziehen. Der Etat des Festivals liegt bei gut fünf Millionen Euro. 2009 kamen 69 277 Besucher, es war mit 85 400 kalkuliert worden. Woran liegt das schwächere Besucherinteresse? Die Festspielverwaltung rätselt. Schon im letzten Jahr war ein Rückgang spürbar. Seit dieser Saison ist nun der neue Intendant Holk Freytag engagiert. Der will mit einer Qualitätsoffensive die Festspiele erneuern und hat renommierte Schauspieler engagiert. Und er nahm außerdem mit „Carmen“ einen populären Stoff ins Programm - in der beliebten Musicalform. Diese Strategien sind offenbar zum jetzigen Zeitpunkt kurz nach dem Start noch nicht aufgegangen.

Wie geht es anderen großen Freilichttheatern? Was sind deren Strategien?

• Im hessischen Bad Vilbel kann man nicht klagen. Pressesprecherin Ruth Schröfel: „Wir haben den Stand des Vorjahrs“. Auch im Spielplan der dortigen Burgfestspiele (72 000 Besucher pro Saison) stehen musikalische Stücke in der Beliebtheit oben - „My fair Lady“ und eine Schlagerrevue. Ihre Erkenntnis: „Heutzutage wollen die Menschen beides - Qualität und populäre Stoffe.“ Schlechtes Wetter stärke das Kollektiverlebnis eher und ist kaum ein Manko: „Zuschauer die sich in Regencapes einpacken und die Schauspieler bejubeln, die im Regen durchhalten, haben Spaß.“

• Ebenfalls mit „My fair Lady“ punkten die Freilichtspiele Schwäbisch Hall. Der Leiter des künstlerischen Betriebsbüros, Alexander Schmid, stellt bisher einen 25-prozentigen Verkaufszuwachs zum Vorjahr fest. Angepeilt werden 65 000 Gäste. Schmid sieht den Schlüssel in der Vermarktung: „Es geht längst nicht mehr nur um einen Theaterbesuch“. Schwäbisch Hall wirbt mit Übernachtungsangeboten, die die Besucher für zwei Aufführungen in der Stadt halten sollen.

• Vor der morgigen Premiere des Musicals „The Rocky Horror Show“ ist der Wunsiedeler Kulturamtsleiter Günter Stöhr zufrieden. Die Luisenburg-Festspiele im Fichtelgebirge, das älteste Freilichttheaterfestival Deutschlands, liegen im Plus: 7000 Karten sind bereits mehr verkauft als zum gleichen Vorjahrszeitpunkt. Letztes Jahr besuchten 141 000 Besucher das Drei-Millionen-Euro-Festival in Oberfranken. Der Amtsleiter sieht die Stabilität der Intendanz, die Modernisierung der Felsenbühne und vor allem verbesserte Werbemaßnahmen als Schlüssel des Erfolgs. „Mittlerweile kommen 60 Prozent der Besucher von außerhalb, 40 Prozent aus der Gegend, früher war es umgekehrt.“ Mit Großflächenwerbung wird vor allem München bestückt. Auch für Stöhr ist die Qualität der Produktionen besonders wichtig.

Von Bettina Fraschke

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