Wolf mit Charme:

 Brüder-Grimm-Festival zeigt „Rotkäppchen“

Kassel. Im Kasseler Botanischen Garten wird „Rotkäppchen und der Wolf“ gezeigt, die ausverkaufte Premiere am Donnerstag war umjubelt.

Im Kasseler Botanischen Garten wird „Rotkäppchen und der Wolf“ gezeigt, die ausverkaufte Premiere am Donnerstag war umjubelt. Geschrieben und inszeniert von Michael Fajgel, komponiert unter Einbindung beliebter Popsongs von Roland Oumard, steht hier der Wolf (Steffen Laube als dämonischer Prinz Charming) im Zentrum.

Okay, er will das Rotkäppchen fressen, gern aber auch die Ziege, die drei Schweinchen, die Großmutter, den Jäger und Rotkäppchens Mutter. Und wir verstehen, warum: Er findet keine Beute mehr in den Wäldern. Zum Glück hat sein Kumpel, der Fuchs (ausdrucksstark: Tim Müller), immer gute Ideen. Zum Beispiel die Verkleidung als Postbote, um den drei kleinen Schweinchen ein Paket vom Versandhändler Saulando zu bringen.

Mit solchen witzigen Details ist die intelligent gebaute und schön erzählte Geschichte gespickt. Die Handlung bietet sowohl Spannung für Kinder als auch eine zweite Ebene mit hintersinnigen Bezügen, über die sich Erwachsene freuen. Etwa die, dass Rotkäppchens Mutter (mit viel komischem Talent: Eva Maria Balkenhol) und die Großmutter (Sabine Guth, sehr cool und abgeklärt) vom Wolf faszinierter sind als von Jäger Dieter (Claudius Freyer herzig-verklemmt) und den Gedanken, eine wilde, maskuline Bestie im Haus zu haben, überaus attraktiv finden. Zähmen und domestizieren will man ihn dann aber schon.

Super war eine Sequenz, wo Eva Maria Balkenhol mit der Ziege (die famose Inga Jamry) in Stummfilmmanier kommuniziert: mit übertriebenen Gesten zu filmprojektormäßig flackerndem Licht.

Die Szenerie spielt auf einem heruntergekommenen Campingplatz (Bühne: Oliver Doerr), die Bandmitglieder Roland Oumard, Manfred von der Emde, Manuel Groh und Harry Stingl sind stilecht in Jogginghosen gewandet (Kostüme: Riet Hannah Bernard). Warum die Schiebetür vor ihnen so oft zugeschoben wurde, erschloss sich jedoch nicht und wirkte arg umständlich.

Christina van Leyen zeigt gesanglich ausdrucksstark das Rotkäppchen als Mädchen, das von den Erwachsenen ernst genommen werden will. Auch in seiner Träumerei vom Prinzen. Und das seinen Spitznamen leid ist. Den hat es schließlich nur, weil die Oma immer Sekt haben will.

Das Musical läuft bis 18. August im Botanischen Garten, Mittwoch bis Sonntag ab 19.30 Uhr. Samstags und sonntags zusätzlich ab 16 Uhr. Karten: 22,50 bis 24,50 Euro, Kinder: 13 Euro. Familienkarten: 53,50/ 58,50 Euro. Kartentelefon: 0561 / 7018722.

Von Bettina Fraschke

Das Grimm-Festival

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