De Wolf im Mann: Steffen Laube beim Brüder-Grimm-Festival

Kassel. „Die suchen in Kassel noch einen Wolf.“ Es war ein Anruf der Zentralen Arbeitsvermittlung für Künstler, der bei Schauspieler Steffen Laube eine Erinnerungsreise in die Vergangenheit in Gang gesetzt hat.

Hier war er von 1986 bis 1990 unter der Intendanz von Manfred Beilharz am Staatstheater engagiert. Eine produktive Zeit, wie er sich erinnert. Nächtelang hat man in der Theaterkantine diskutiert, am nächsten Tag bei der Probe die Ideen auf der Bühne umgesetzt. Kollege damals war ein gewisser Michael Fajgel.

Der nun als Regisseur und Autor einen Wolf-Darsteller für das Grimm-Musical „Rotkäppchen und der Wolf“ suchte. Die Hauptrolle. Höchst attraktiv, befand Steffen Laube (51) und schaute sich erst einmal in Fajgels Kasseler Musicaltheater tic eine Vorstellung an, um ein Gespür dafür zu bekommen, was für eine Art Theater dessen Truppe so zeigt. „Ich war begeistert“, resümiert Laube. Musical sei oft leblos, in Perfektion erstarrt. Hier spürte man Lebendigkeit, Spaß, Teamgeist. „Leute wie Fajgel sollten Ehrenbürger einer Stadt werden“, schwärmt er, „sie bringen Lebendigkeit und bereichern.“

Die beiden Ex- und Neu-Kollegen wurden sich schnell einig. Und entwickelten in den folgenden Wochen gemeinsam die vielschichtige Figur des Wolfs für das Brüder-Grimm-Festival. Der ist zugleich Sympathieträger und auch ein bisschen unheimlich.

Die Idee, als wichtigstes Lied „Sympathy For The Devil“ von den Rolling Stones zu adaptieren, hatte der dreitagebärtige Badener Darsteller mit den Lachfältchen. Er hat einst den Conferencier im Musical „Cabaret“ gespielt, eine ähnliche Rolle übernimmt der Wolf in diesem Song: sich vorzustellen, sich direkt ans Publikum zu wenden.

„Ich bin selbst ein ausgeglichener Mensch“, sagt der nahe Bonn lebende Vater einer 18-jährigen Tochter, die gerade in die Schauspielausbildung einsteigen will. Aber als Wolf zeige er eben auch, dass das ein getriebenes Tier ist, dem im Wald tatsächlich nicht mehr genügend Nahrung zur Verfügung steht.

Wieder in Kassel, entdeckte Laube alte Lieblingsorte neu: die Aue, die Bars Fes und Hot Legs. Und freut sich, dass seine Frau ganz in der Nähe arbeitet: Die New Yorkerin Amanda Whitford ist als Musicaldarstellerin in Bad Hersfeld bei „Showboat“ engagiert. Als ihr Kind kleiner war, hat Laube seinen beruflichen Radius auf den Köln-Bonner Raum begrenzt, er steht auch häufiger vor der Kamera, etwa im „Tatort“ oder in „Wilsberg“.

„Jetzt kann der Wolf weitere Kreise ziehen.“ Im Herbst wartet ein Engagement in Bonn auf den seit über zehn Jahren freiberuflich tätigen Schauspieler. Und noch bis 18. August trägt er in Kassel in einem schwarzen Brillenetui vorsichtig die künstlichen Wolfszähne mit sich herum. Und genießt die Stadt: „So eine Dichte an Kultur, Cafés und Natur ist einzigartig.“

Musical bis 18. August, Karten: 05 61 - 701 87-22.

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