Sie wollen nur spielen: Ji-Youn Song und Studierende im Gießhaus

Ji-Youn Song

Kassel. Selbst wer noch nie vom Komponisten György Ligeti (1923-2006) gehört hat, könnte Musik von ihm kennen. Zum Beispiel das zweite Stück aus seinem Klavierzyklus „Musica ricercata“, das in Stanley Kubricks Film „Eyes Wide Shut“ für Gruselstimmung sorgt. Nun war Ligetis kompletter Zyklus in einem ganz anderen Zusammenhang zu hören, doch der war nicht weniger spannend.

Im voll besetzten Gießhaus widmeten sich Pianistin Ji-Youn Song und Studierende des Instituts für Musik dem Spieltrieb, der viele Komponisten beflügelt hat. Bei Ligetis „Musica ricercata“ ist es ein sehr rationales Spiel: Im ersten Stück gibt es zwei Töne, im zweiten Stück drei, im elften sind alle zwölf versammelt.

Ji-Youn Song zeigte, dass Spielen eine hochkonzentrierte Angelegenheit sein kann. Sie fesselte mit einer geradezu dramatischen Spannung, raffiniert in Klang und Rhythmus und großartig in vielen Stilen. Neben Ligeti präsentierte sie Barock von Scarlatti, Romantik von Liszt und Avantgarde von Nicolaus A. Huber, bei dem auch mit dem Metronom gespielt wurde.

Daneben kam die studentische Fantasie nicht zu kurz. Katharina Send, Susanne Traber, DaNi Hann, Jonas Meyer, Philipp Schleicher, Tim Köllner und Gerhard Schott hatten sich viel für die Moderation einfallen lassen. Etwa einen Disput zwischen Mutter und Sohn, der lieber mit den Klängen spielen als üben will. Oder den Zank zweier Finger in passender Kostümierung.

Nach kräftigem Beifall beschlossen zwei Zugaben das Spiel: Tim Köllner hatte ein lustiges Jandl-Gedicht parat, Ji-Youn Song Henry Cowells bezaubernde „Aeolian Harp“.

Von Georg Pepl

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