20.000 Fans feierten 50 Jahre Rolling Stones in London

Gut wie eh und je: Ronnie Wood (von links), Mick Jagger, Keith Richards und Charlie Watts beim Auftritt in London. Foto:  dapd

London. Die Show technisch manikürt, Ticketpreise und Erwartungen über dem Mond, kein Musiker unter 65: Die meisten Bands hätten unter so viel Druck nur scheitern können.

Doch die Rolling Stones machten zum Tour-Auftakt am Sonntagabend einfach alles so wie zu ihren Hochzeiten: Sie präsentierten sich entspannt, hyperaktiv und ziemlich verrückt - eine Kombination, die erklärt, warum nur die Fans, nicht aber die Superstars zu altern scheinen.

Kein einziger der 20 000 Plätze in der O2-Arena in Londons Südosten wird zum Sitzen benutzt - stattdessen tanzen die Gäste zweieinhalb Stunden am Stück die womöglich letzte Auferstehung dieser Kult-Band. 200 Euro kosteten die billigsten Ticketsh, Händler schraubten die Preise dann bis auf 1500 Euro.

Ihre Version des Beatles-Songs „I Want To Be Your Man“ setzt gleich den Ton für den Abend – eine atemlose Retrospektive auf Lieblinge wie „Gimme Shelter“, „Paint It Black“ und „It’s Only Rock’n’ Roll“. Neue Songs, darunter „One More Shot“ haben es beim Publikum schwerer, auch wenn den Veteranen fast alles - selbst Gospeleinlagen - frenetisch abgenommen wird.

Für die begehrtesten Tickets des Jahres will der graumelierte Großteil der Fans aber vor allem eines sehen: Dass sich alles ändert, nur nicht die Stones. Dass sie immer noch Rock ’n’ Roll können, und zwar mindestens so gut wie in ihren frühen Jahren. Das muss selbst Keith Richards erst einmal sacken lassen. „Schön, dass überhaupt jemand da ist“, krächzt er ins Mikro. Dann schickt er mit ein paar Griffen jenen Sound an die ergebenen Fans, über den Iggy Pop im Aufwärm-Video gesagt hat, man hätte beim Hören das Gefühl, mit einer toten Makrele auf den Kopf geschlagen zu werden. Größere Komplimente können die Alten Wilden kaum machen.

Die glatte Show von Frontmann Mick Jagger, der Band und Programm nahtlos verzahnt, kann später über die Rührung nicht hinwegtäuschen: Auch für die vier Herbstzeitlosen ist der Spaziergang durch die Gassen der Erinnerung ein sentimentaler. Man kann nur ahnen, was Gast-Gitarrist Mick Taylor denkt, als er nach seinem Solo in „Midnight Rambler“ Keith Richards auf die Schläfe küsst. Dass eben auch die unkaputtbaren Stones nicht über der Zeit stehen, wird klar, als Drummer Charlie Watts kurz nach vorn soll für einen Applaus: Er hinkt und humpelt.

Nach solchen Hinweisen auf das biologische Alter der Superstars muss man fahnden - denn jedem Ex-Stones-Mitglied und jedem Weggefährte, den sie auf die Bühne holen, sieht man das Dolce Vita deutlicher an. Mick Jagger hingegen, die Windhund-Silhouette kaum verhüllt in schmalen Shirts, hüpft, schlängelt und kiekst sich über den Laufsteg.

Für „Sympathy For The Devil“ stellt er sich in einem bodenlangen, schwarzen Cape aus Straußenfedern in das Licht eines Scheinwerfers. Die Puste ist dem Frontmann nicht einmal ausgegangen.

Weitere Termine in London und im Großraum New York.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.