Corinna Harfouch und Frank Raddatz lasen im Museum für Sepulkralkultur 

Sprache und Musik: Eine Performance für Etel Adnan mit (von links) Frank Raddatz, Corinna Harfouch und Johannes Gwisdek. Foto: Gebhardt

Kassel. Auch ohne darstellerische Inszenierung lebt die surrealistische Lyrik Etel Adnans, Teilnehmerin der documenta 13, von einem Reichtum an Bildern. Was sie mit Worten schafft, vermag Corinna Harfouch mit ihrer Stimme und schauspielerischem Reichtum umzusetzen.

Das konnte man am Mittwochabend bei der Veranstaltung des Literaturbüros Nordhessen im Foyer des Sepulkralmuseums hautnah miterleben. Ein Ereignis!

Der Abend beginnt mit Warten. Auf Etel Adnan, die bei der Lesung aus der 1980 entstandenen, 2012 in deutscher Sprache erschienenen „Arabischen Apokalypse“ (Suhrkamp) erwartet wird. Dann entbrennt Applaus beim Eintreten der 87-jährigen in Beirut (Libanon) geborenen Dichterin und Malerin, die heute vorwiegend in Paris lebt. Auch Corinna Harfouch, die zu den bekanntesten Bühnen- und Filmstars Deutschlands zählt, wird stürmisch begrüßt.

Wortgewalt und Farbenpracht

Und dann sind wir mitten drin in stotternden Landschaften, in einer Sphäre von Wortgewalt und Farbenpracht. Schwanken zwischen Naturerfahrung, Verträumtheit und dem harschen Aufprall. Wir lassen uns verzaubern von Harfouchs eindringlicher Stimme, ihrer Intensität, mit der sie diese Wortgeflechte lebendig werden lässt. Ihre Verehrung für Adnans Lyrik verrät sie später im Gespräch

Frank Raddatz, Dramaturg und Publizist, steuert mit weicher Stimme eine weitere Nuance dieser Bildsprache bei. Dazu die sich steigernden Klänge des Synthesizers, die Kompositionen von Johannes Gwisdek, die uns in eine surreale Welt entführen.

Die Apokalypse ist gegenwärtig

Etel Adnan, die in der documenta-Halle mit ihren farbintensiven Bildern vertreten ist, verschmilzt in ihren Texten die Massaker und die Gewaltspirale im arabischen Raum mit fast kontemplativer Naturerfahrung und Traumgebilden. Eine „steinhafte Hitze“ entsteht und wir wollen ausatmen, auf den Stühlen zappeln, die Ärmel hochkrempeln, uns abkühlen und müssen doch weiter staunen. Die „Arabische Apokalypse“ ist kein bloßer Stoff, sie ist gegenwärtig.

Etel Adnan schrieb diesen Text mit der Hand und zeichnete dazu. So sind in der „Arabischen Apokalypse“ Text und Bild nicht voneinander zu trennen, ebenso wie Harfouchs Stimme von diesen Worten. Und dazu Raddatz’ Raunen und die musikalische Verstärkung durch den Synthesizer Gwisdeks. Eine Komposition.

Von Daniela Riess

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