Urban Priol beim Sommer im Park in Vellmar

Wortkanonen, die jeden treffen

Wenn er austeilt, schmerzt es: Urban Priol bei seinem Auftritt in Vellmar. Foto: Fischer

Vellmar. So sehr mancher sich beklagen mag in diesen Zeiten - für Kabarettisten ist das derzeitige Tief ein Hoch. Allein die politische Führung Deutschlands liefert genug Stoff, wie man am Freitagabend beim ausverkauften Sommer im Park in Vellmar hören konnte. Urban Priol, Meister der schnellen und bissigen Worte, lässt sich sein Kabarettprogramm von den „schwarz-gelben Tigerenten“ aus der Regierungsetage schreiben: „Einfach morgens die Nachrichten ausdrucken, fertig“.

Gnadenlos scharfzüngig watscht Priol das Kabinett ab. „Mit Westerwelle und der FDP aus der Krise, das ist ja wie Dick und Doof bei der Fremdenlegion.“ Dabei müsste sich doch wenigstens die Kanzlerin in Zeiten der Stagnation als studierte Physikerin zu helfen wissen - sie sollte Kenntnisse haben, wie man träge Materie in Energie umwandelt. Dieses Problem besteht bei zu Guttenberg wenigstens nicht, denn obwohl der aussieht wie Lothar Matthäus, hat durch ihn der Begriff „Shootingstar“ eine ganz neue Bedeutung bekommen. Einzig möglicher gewaltfreier Widerstand gegen all das: Schwarzarbeit und Steuerhinterziehung.

Beeindruckend und urkomisch, wie Priol es schafft, innerhalb seines immens schnellen Redeflusses Gesten, Mimik und Stimmen der Angeprangerten nachzuahmen.

Priol macht ebenso wenig vor dem Papst, der wie der weiße Hai stiert, den Priestern, die geölte Hände haben, damit es besser flutscht, aber auch vor Kollegen wie Eckart von Hirschhausen nicht Halt. Dessen Glücks- und Liebesratschläge nimmt er aufs Korn und setzt ihnen Weisheiten aus der Dorfkneipe entgegen: „Iss, was gar ist, trink, was klar ist und bums, was da ist.“ Dabei mangelt es Priol nicht an der nötigen Portion Selbstironie, wenn er etwa vom schwierigen, morgendlichen Blick in den Spiegel spricht.

Weit über drei Stunden verfeuert Priol seine Wortkanonaden, die richtig einschlagen, wobei das hoch zufriedene Publikum oft genug mit heftigen Lachsalven antwortet, um schließlich ausgiebig Beifall zu spenden.

Von Alexander Pluquett

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