Ihn würden sie wählen: Rainald Grebe mischte Kasseler Stadthalle auf

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Mehr geht nicht - Indianerhäuptling und Engel: Rainald Grebe & Das Orchester der Versöhnung in Kassel.

Kassel. Rainald Grebes aktuelles Programm „Berliner Republik“ ist Jahresrückblick und Weihnachtsfeier. „2009 war ein gutes Jahr für mich“, stellte der Liedermacher zu Beginn seines dreistündigen Auftritts in der Kasseler Stadthalle fest.

Mit der Miss Zittau 1993 habe er eine tolle Frau kennengelernt, mit dem „I make you sexy“-Programm von Detlef D. Soost und einer Ernährungsumstellung habe er sein äußerliches Erscheinungsbild komplett verändert.

Zum Glück hat sich Rainald Grebe überhaupt nicht verändert. Sein Programm ist eine Mischung aus Dada, Improvisation, Musik und Kabarett. Seine Lieder beschreiben kleine gemeine Beobachtungen in einer Gesellschaft leerer Floskeln und unhinterfragter Gewohnheiten, von Multitaskern, Selbstdarstellern und Einzelkämpfern, in der, falls man an Chancengleichheit glaubt, zu Recht eine Million Menschen Millionäre und vier Millionen Hartz-IV-Empfänger sind.

„Multitasker“ heißt einer der Songs auf der Doppel-CD „Berliner Republik“ über Menschen, die gleichzeitig einen Dax-Konzern leiten und ihren Kindern Stullen schmieren, und andere, die gleichzeitig bekifft und besoffen sein können.

Das Orchester der Versöhnung, das den Chef begleitet, besteht aus den alten Mitstreitern Marcus Baumgart (Gitarre) und Martin Brauer (Schlagzeug) von der Kapelle der Versöhnung sowie Buddy Casino (Keyboard), Serge Radke (Bass), DJ Smoking und einer internationalen Bläserfraktion aus vier Musikerinnen. Videoprojektionen zeigen, was die Musiker tun müssen, um ihren Lebensunterhalt zu sichern. Eine läuft zwischendurch hinter die Bühne, um Kinder zu versorgen, einer, um Hermannkuchen zu backen. „Ich zahl doch genug“, befindet Grebe. Und sonst müssen es eben Billigmusiker aus dem Ostblock machen.

Mit seiner Gesellschaftskritik verbreitet Rainald Grebe nie schlechte Laune. Zufrieden lächelt das Publikum in der zu zwei Dritteln gefüllten Stadthalle. Aufmerksam hören und schauen die Gäste Grebe zu. Und wenn er Politiker wäre, würden sie ihn auch wählen.

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