Karen Köhler las aus Erzählband „Wir haben Raketen geangelt“

Karen Köhler

Kassel. Mitten in der Wüste des Death Valley sitzt die Ich-Erzählerin Katharina neben einer Tankstelle auf einem Stein, ohne Sonnencreme, Geld, Telefon, Pass, Kreditkarte. Alles ist weg, der Rucksack geklaut.

Während die junge Frau zu sich selbst sagt, sie habe nur noch sich, steht gleich einer Halluzination plötzlich ein Indianer vor ihr. Er trägt eine imposante Federhaube, Schmuck aus Knochenstäbchen, perlenbestickte Mokassins und sagt: „Du musst trinken.“

Karen Köhler, die am Sonntag auf Einladung der „Freundinnen des Archivs der deutschen Frauenbewegung“ im ausverkauften Bali-Kino aus „Wir haben Raketen geangelt“ las, nahm das Publikum mit auf eine Reise in den Westen der USA. Die Geschichte „Cowboy und Indianer“ aus dem Buch mit neun Erzählungen führt in die flirrende Wildnis von Nevada, wo nichts außer Kakteen wächst.

Der Indianer heißt eigentlich Schnee im Herbst und wird Bill genannt. Nachdem er Katharina mit Wasser versorgt hat, fahren beide auf dem Highway 93 in seinem Pick-up Richtung Las Vegas. Assoziativ zu den Jetzt-Situationen blendet die 40-jährige Hamburger Autorin geschickt Rückblenden ihrer Kindheit ein. Damit bekommt die verletzliche Persönlichkeit der Ich-Erzählerin ein Fundament.

Karen Köhler, die ausgebildete Schauspielerin ist und auch als Illustratorin arbeitet, zog das Publikum mit weicher, freundlicher, in den Dialogen variationsreicher Stimme in das Geschehen. Es war, als liefe ein Roadmovie ab. Bildhaft und detailreich beschreibt Köhler Schauplätze und Personen, wobei ihr das eigensinnige sprachliche Nebeneinander von Tagebuchähnlichem, inneren Monologen, Blog-Einträgen und klassischem Erzählen gelingt. Das erste Buch von Karen Köhler gilt als Entdeckung der Saison. Viel Beifall. Foto: Esterer

Karen Köhler: Wir haben Raketen geangelt. Hanser, 238 S.,19,90 Euro.

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