Der Wüstenrock von Calexico kommt auch aus Nordhessen

Sie sind Calexico: Der aus Nentershausen-Weißenhasel bei Rotenburg stammende Trompeter Martin Wenk (Mitte) mit (von links) Jacob Valenzuela, Jairo Zavala, Sergio Mendoza, Ryan Alfred, Joey Burns und John Convertino. Fotos: Pertramer/nh

Vor 17 Jahren sollte der Nordhesse Martin Wenk als Tour-Trompeter bei Calexico aushelfen. Nun ist er immer noch festes Mitglied der US-Rockband und auch auf dem tollen neuen Album zu hören.

Die Häftlinge des Kasseler Gefängnisses Elwe wussten schon 1998, dass die US-Band Calexico einmal eine große Nummer werden würde. Damals probten Gitarrist Joey Burns und Schlagzeuger John Convertino aus Arizona mit dem Kasseler Trompeter Martin Wenk in der Küche des Bassisten Volker Zander im Sommerweg.

Die Amerikaner suchten Tour-Musiker für ihre ersten Konzerte in Deutschland. Der Chef ihrer Berliner Plattenfirma hatte ihnen die beiden Nordhessen empfohlen. „Die können wir nicht nehmen“, sagte Frontmann Burns nach der ersten Session. Aber nach drei Tage Proben in der Unterneustadt applaudierten die Knackis im Knast nebenan.

Die Elwe ist längst geschlossen, aber Calexico gibt es immer noch. Gerade hat die Formation ihr wunderschönes achtes Album „Edge Of The Sun“ veröffentlicht. Die Karriere der Wüstenrocker ist damit auch eine nordhessische Erfolgsgeschichte. Zander hat die Band erst vor zwei Jahren verlassen, aber Wenk (44), der aus dem kleinen Dorf Nentershausen-Weißenhasel bei Rotenburg stammt und in Berlin lebt, bläst immer noch die Trompete.

Seine typischen Mariachi-Klänge hört man auch auf den neuen Songs wie dem mexikanisch angehauchten Party-Kracher „Cumbia De Donde“. Das neue Album mit seinen Balladen, den Pop-Melodien und Reggae-Anleihen ist vielleicht das beste, seitdem „Feast Of Wire“ 2003 den Weltruhm der Band begründete.

Burns und Convertino sind nach wie vor die Köpfe von Calexico, aber auch Wenk ist nach 17 Jahren nicht mehr wegzudenken. Dabei war er nur Hobbymusiker, als sein Schwager Christof Ellinghaus, Gründer der Plattenfirma City Slang, ihn zu Calexico brachte. Als Kind spielte er im Bläserchor des Dorfes. Am Kasseler Staatstheater bekam er Trompetenunterricht.

Als er als Teenager Punk hörte, legte er die Trompete beiseite. Erst als Mitglied des Kasseler Rundfunktanzorchesters stand er wieder auf der Bühne. Da hatte er schon eine Ausbildung zum Augenoptiker gemacht. Später arbeitete er als Autodesigner. Seinen Jahresurlaub verbrachte er mit Calexico auf Tour - bis sein Chef sagte, er müsse sich entscheiden.

Seitdem ist Wenk Berufsmusiker. Er war auf einem Album der gefeierten kanadischen Bank Arcade Fire zu hören, tourte mit Bosse, Judith Holofernes sowie Prag, der Band von Schauspielerin Nora Tschirner. Und natürlich immer wieder mit Calexico.

Wenn er mit den anderen Musikern manchmal irgendwo im Hotel eincheckt, trifft er die Jungs von Milky Chance, Nordhessens erfolgreichstem Pop-Export. Wenn er hört, dass Clemens Rehbein und Philipp Dausch auch im A.R.M und der Mutter unterwegs sind, muss er lachen: „In den Clubs war ich früher auch immer.“

Vorigen Sommer wollten Calexico im Kasseler Kulturzelt eigentlich eine Mariachi-Version des Milky-Chance-Hits „Stolen Dance“ spielen. Aber Burns, sagt Wenk, „hat sich dann doch nicht getraut.“

Calexico: Edge Of The Sun (City Slang). Wertung: fünf von fünf Sternen

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