„Wumbaba“: Caricatura zeigt Bilder von Michael Sowa mit Texten von Axel Hacke

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Seltsamer Besuch im Schulunterricht: So könnte es aussehen, wenn der „Erdbeerschorsch“ ins Klassenzimmer kommt. Ein Kind wusste nichts mit dem Begriff Erzbischof anzufangen. Auch nicht mit dem, was er vorhat: firmen. Es verstand „filmen“.

Kassel. Endlich ein Wiedersehen mit Erdbeerschorsch und Wumbaba. Kolumnist Axel Hacke erforscht seit Jahren Verhör-Fehler und hat millionenfach verkaufte Bücher darüber geschrieben, dass ein falsch gemerkter Text kreative Assoziationsuniversen schafft.

Infos zur Ausstellung

Bis 23.1., Caricatura, Kulturbahnhof Kassel, Eintritt 3 Euro, Eröffnung 12.11., 19.30 Uhr.

Der Erdbeerschorsch - das ist der Erzbischof, der in die Schule kommt. Das Kind, das seiner Mutter von dem fruchtigen Georg berichtet, konnte wohl mit dem pompösen Titel nichts anfangen.

Und wie das dann aussieht, hat Michael Sowa hintergründig-komisch illustriert. Diesen Künstlern widmet die Kasseler Caricatura ab diesem Freitag ihre Ausstellung. „Der weiße Neger Wumbaba“ heißt sie nach dem berühmten Verhörer aus Matthias Claudius’ Abendlied „Der Mond ist aufgegangen“, wo es heißt: „Und aus den Wiesen steiget / Der weiße Nebel wunderbar“ - was beim Verhören leicht zu jenem Albino-Afrikaner wird. Und den hat Sowa mit Mega-Ohrmuscheln und Knochen im Haarschopf unsterblich gemacht.

Selbst Gottvaters Heiligenschein wirft auf dem Spielplatz einen Schatten: Visualisierung des Verhörers „Morgen früh / wenn Gott will / wirst du wieder geweckt“, wo ein Mädchen angstvoll verstand „wirst du wieder gewürgt“. Fotos: Caricatura/ nh

Die Ausstellung präsentiert selten zu sehende Originale. Caricatura-Leiter Martin Sonntag betont, dass Sowas Werke fast alle im Privatbesitz sind, es ist schwierig, die Eigentümer zum Verleihen zu bewegen. Saskia Wagner hat die Schau zusammengestellt, die Hackes Textpassagen und Sowas Gemälde kombiniert. In Hörinseln können O-Töne und Lieder erlebt werden, ein nostalgisches Wohnzimmer verströmt „Die fabelhafte Welt der Amélie“-Stimmung - im Film sind Werke Michael Sowas zu sehen.

Viele Bilder und Texte sind bekannt, neben den Wumbaba-Klassikern etwa die Illustrationen zum Kinderbuch „Der kleine König Dezember“ oder das „Tierleben“.

Ein Erlebnis ist es aber, die Original-Gemälde zu sehen. Durchweg im kleinen Format realisiert (nicht mal Din-A-4), sind Sowas Acryl-Arbeiten Wunderwerke an Präzision und Abgründigkeit.

Selbst auf den kleinen Bildern sind die Menschlein im Verhältnis winzig. Sowa miniaturisiert sein Personal so, dass es wirkt wie Figuren aus einer Modelleisenbahn-Landschaft. Und mit dem so entstehenden Mix aus Idyll und Satire spielen die Gemälde.

Da sitzt ein Mädchen an der biedermeierlichen Kaffeetafel mit Spitzendecke und spricht mit Käfer Otto Peter, einem vulgär-glänzenden Krabbelvieh. Surreales sprengt die Spießigkeit - weil eine Schülerin dem Lehrer erzählte, sie war beim „Käfer Otto Peter“ - das Wort Kieferorthopäde sagte ihr nichts. Wäre die Welt nicht besser, wenn Kinder Termine bei einem Käfer hätten, um über ihr Leben zu sprechen?, sinniert Axel Hacke.

Impressionistisch und witzig zugleich wird es bei „Tierleben“-Szenen mit Giraffe, wo das mikroskopisch gestrichelte Tierhaar seidig schimmert und so die Zärtlichkeit spiegelt, mit der der Mensch seinen Langhals-Gefährten streichelt. Und grelles Seitenlicht bescheint den mächtigen Bauch des kleinen „König Dezember“, der im Hermelinmantel auf einem Schachbrett herumtaumelt.

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