Pianist Fazil Say berührte mit starken Akzenten im Opernhaus

Wunderbar elegant

Mit einem Gruß aus Anatolien: Pianist Fazil Say beim Auftritt im Opernhaus. Foto: Hedler

Kassel. Als Fazil Say am Ende seines Konzerts seine Version des türkischen Liedes „Kara Toprak“ (Schwarze Erde) als Zugabe spielt - auf Youtube ein fast 1,4 Millionen Mal geklickter Hit -, mischen sich in den lauten Jubel einige Tränen: Der musikalische Gruß berührt seine zahlreichen türkischen Fans im Opernhaus zutiefst.

Doch wann berührt die Musik dieses Ausnahmepianisten seine Zuhörer eigentlich nicht? Seinen Klavierabend vor gut gefüllten Rängen beginnt er mit Mozarts F-Dur-Sonate KV 332. Und schon dieses Stück wird zu einem kleinen Drama, so pointiert kommen die Themen, so profiliert die Begleitstimmen, so überraschend zart die Reprise des ersten Satzes. Ganz still, quasi erschöpft, endet das Stück.

Musikalische Intelligenz und starkes Gefühl kommen zusammen - über pianistische Raffinesse verfügt Fazil Say sowieso. Vier Debussy-Préludes folgen, und wie viel mehr als bloße musikalische Farbenspiele diese Stücke sind, vermittelt der 46-jährige Say mit jeder Note.

Dann, nach der Pause, noch einmal Mozart: So komplex durchgestaltet hört man die A-Dur-Sonate KV 331 mit dem Türkischen Marsch (Alla turca) sonst kaum. Fazil Say entdeckt in jeder der Variationen des ersten Satzes eine eigene Welt.

Kann man wirklich die Moll-Episode so lärmen lassen? Say tut es, und es ist stimmig. Das „Alla turca“ wird zum aufregenden Spiel, wobei Say später mit seiner Bearbeitung dieses Satzes noch einen draufsetzt. Wunderbar elegant gleitet Mozart da hinüber in jazzige Wendungen, ein reines Klaviervergnügen. Den ernsten Gegenpart bildet zuvor Says Klaviersonate „Gezi Park 2“ deren erste Satzbezeichnung „Von den Nächten des Widerstands in den Straßen von Istanbul“ vom politischen Anliegen dieses Künstlers kündet. Schmerzlich, gewaltsam und nur verhalten tröstlich klingt diese vollgriffige Musik.

Doch dann kehrt die Leichtigkeit zurück - Fazil Says „Summertime Variations“ künden von tief empfundener Lebensfreude. Aufgewühlt und bereichert verlassen viele dieses besondere Konzert.

Von Werner Fritsch

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