Rolf Hochhuth feiert Geburtstag mit Lesung

Wutbürger wird 80

Zum 80. nach Wolgograd: Rolf Hochhuth. Foto: dpa

Rolf Hochhuth schreibt immer noch und erregt sich auch im hohen Alter weiter über Unrecht in der Welt, über „unser pervers gewordenes kapitalistisches System“ – und manchmal auch über die Theater, die ihn nur noch wenig spielen. Der Dramatiker ist mit seinen 80 Jahren, die er heute vollendet, immer noch ein erstaunlich kämpferischer Mann: Ein moderner Wutbürger mit sozialem Gewissen – auch wenn Hochhuth in den letzten Jahren nach einigen bizarren öffentlichen Auftritten auch belächelt wurde.

Mit dem Vatikan-Drama „Der Stellvertreter“ hat Hochhuth 1963 ein Beispiel für gesellschaftspolitisch relevantes Theater gegeben und Theatergeschichte geschrieben. „Der Stellvertreter“ wurde zu einem Welterfolg. Der Dramatiker beschuldigte darin die katholische Kirche, sich unter Papst Pius XII. durch Schweigen an der Ermordung von Millionen Juden mitschuldig gemacht zu haben.

Seinen 80. Geburtstag begeht der Jacob-Grimm-Preisträger mit einer Lesung seines Churchill-Dramas „Soldaten“ im russischen Wolgograd. Bei Rowohlt erscheint dazu der über 1700 Seiten umfassende Band „Essayistische Prosa und Gedichte“.

Der am 1. April 1931 in Eschwege geborene Hochhuth war lange Zeit einer der erfolgreichsten und umstrittensten deutschen Dramatiker der Nachkriegszeit, Hauptvertreter des sogenannten Dokumentartheaters in Deutschland. Seinen Kritikern lieferte der Wahlberliner mit Stücken wie „Soldaten“, „Unbefleckte Empfängnis“ und „McKinsey kommt“ aber auch einen Beleg dafür, dass zu viel tagespolitisches Engagement der künstlerischen Ausdruckskraft und Kreativität im Wege stehen kann. (dpa)

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