Ist Xavier Naidoo eine gute Wahl für den ESC? - ein Pro & Kontra

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Xavier Naidoo

Die ARD schickt den umstrittenen Sänger Xavier Naidoo für Deutschland zum Eurovision Song Contest (ESC) 2016. Das deutsche Publikum ist an der Auswahl dieses Mal nicht beteiligt.

Die Zuschauer dürfen bei der Show "Unser Song für Xavier" am 18. Februar nur noch über das Lied abstimmen, mit dem der 44-Jährige Künstler in Stockholm ins Rennen gehen soll. Naidoo war in der Öffentlichkeit mehrmals mit provokanten Äußerungen aufgefallen. Ist der daher die richtige Wahl? Ein Pro Und Kontra.

Pro: Er kann den Nerv treffen

Man mag an der Willkür der Ermittlung unserer ESC-Teilnehmer mäkeln. Und man kann sich auch an der umstrittenen Figur Xavier Naidoos reiben. Gleichwohl finde ich: Er ist eine gute Wahl. Der Sohn Mannheims steht für zeitgemäße Hippness mit Erdung: Er wirkt cool, singt auf Deutsch, hat internationale Wurzeln, souliges Feeling und vor allem einen Sinn für Songs mit Message.

Insofern dürfte der Weg für ihn bei der Punktevergabe im Finale des ESC 2016 in Stockholm ein leichter sein. Denn mit seiner Nachdenklichkeit und dem verhaltenen Tempo der Stücke könnte Naidoo den Nerv eines post-traumatisierten Europas treffen, das sich in nicht gerade unbeschwerten Zeiten auch kulturell mehr nach balladeskem Trost als nach exzentrischem Pop-Glamour sehnt.

Aber selbst, wenn es mit einer guten Platzierung nicht klappt: Der Fremdschämfaktor bei Xavier Naidoos musikalischer Güte dürfte eher gering sein. Und Deutschland zeigt ein kosmopolitisches Gesicht, das ihm auch beim ESC gut ansteht.  Ullrich Riedler (55, Nachrichtenredaktion)

Kontra: Keine Bühne für den Spinner

Vielleicht gibt es keinen besseren Sänger, der Deutschland 2015 so gut repräsentiert wie Xavier Naidoo: Er ist als Kind wegen seiner Hautfarbe diskriminiert worden. Bevor er berühmt wurde, jobbte er als Türsteher in Schwulen-Discos, wie die ARD stolz mitteilte, um ihre Entscheidung zu begründen. Zuletzt sorgte er aber mit homophoben Texten für Aufsehen und sorgte sich mit Mitbürgern aus Dunkeldeutschland um das angeblich immer noch besetzte Deutsche Reich. Xavier Naidoo ist Deutschland – mit all seinen guten und schlechten Seiten.

Trotzdem ist es ein schlechter Scherz, dass ausgerechnet er zum Grand Prix soll, der nicht erst seit Conchita Wurst für Toleranz, Nächstenliebe und Offenheit steht. Naidoo mag eine tolle Stimme haben, vor allem aber ist er ein Spinner, der schon 1999 sagte: „Ich bin ein Rassist, aber ohne Ansehen der Hautfarbe.“

Wenn Xavier Naidoo beim ESC antritt, könnte man auch den Pegida-Führer Lutz Bachmann als deutschen Botschafter in die Uno-Vollversammlung schicken. Matthias Lohr (41, Kulturredaktion)

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