Konzert im Park Wilhelmsthal

Xavier Naidoo ließ seine Fans lange auf die bekannten Hits warten

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Tritt immer mit Sonnenbrille zum Schutz vor Bühnenlicht auf: Xavier Naidoo beim Open-Air-Konzert im Schlosspark Wilhelmsthal bei Calden (Kreis Kassel).

Calden. Hört, hört: Stille. Nachdem Xavier Naidoo im ausverkauften Schlosspark Wilhelmsthal (Kreis Kassel) vor etwa 10.000 Konzertbesuchern zum Ende seiner Show die Töne von „Amoi seg’ ma uns wieder“ singt, müssen auch Kritiker eingestehen, dass Naidoo zu den größten Stimmen Deutschlands gehört.

Sein Können überzeugt, selbst wenn er im Dialekt des österreichischen Schlagersängers Andreas Gabalier singt. Der hatte Naidoo bei der Vox-Show „Sing meinen Song“ mit diesem Lied zum Weinen gebracht.

Allerdings brauchte Naidoo am Samstagabend fast eine Stunde, bevor er sein Publikum abholen konnte. Zu lange für einen Superstar. Hatte doch Rapper Nico Suave zumindest das jüngere Publikum zuvor schon ganz gut in Stimmung gebracht.

Fans, die den 42-Jährigen seit den 1990er-Jahren begleiten, wollten keine experimentellen Songtitel wie „Tanzsport“ oder komplex vertonte Lyric wie in „Bunte Steine“ hören, die der Sänger in der ersten Hälfte des Konzerts zum Besten gab. Die Reaktion des Publikums verleitete „Dr. Ton“ dazu, seinen schrägen Ausflug in den Dance-Pop mit der Leistung eines Modeschöpfers zu vergleichen. Die würden ja auch nicht nur Tragbares schneidern – doch Haute Couture wollten die Kasseler nicht. Naidoo begriff und lieferte anschließend, wie vom Publikum gewollt, von der Stange. Endlich. Songtexte, die sich Naidoo von seinen Fans vorsingen lassen kann.

Dazu gab seine neue Band, mit Robbee Mariano (Bass), Neil Palmer (Keyboard/Piano), Alex Auer (Gitarre) und Ralf Gustke (Schlagzeug) alles. Der Sound war bis in die letzte Reihe exzellent. Die nach hinten abgesetzten Leinwände erzeugten eine Bühne mit viel Tiefe. Naidoo in kurzer brauner Hose, braunem T-Shirt und nassgeschwitztem blauen Jackett war für alle gut zu sehen.

Man kann dem Soul-Sänger nachsagen, er mache Erlöserpop und habe einen eigenwilligen Stilmix. Doch wer auf seiner Tour „Hört, hört“ Interpretationen von Liedern wie „Bei meiner Seele“ oder „Wo willst du hin“ hört, der kommt nicht umhin anzuerkennen, dass Naidoo nicht grundlos seit Jahren in ausverkauften Häusern spielt.

Fotos: Xavier Naidoo am Schloss Wilhelmsthal

Xavier Naidoo im Schlosspark Wilhelmsthal

Und es ist auch an diesem Abend nicht die eigenwillige Religiosität, die die Fans an seinen Lippen hängen lässt. Es ist die Ehrlichkeit. Dafür steht er in jeder seiner Zeilen, auch wenn seine Songtexte nicht eindeutig interpretierbar sind. Mit „Alles kann besser werden“ aus seinem aktuellen Soloalbum verabschiedet sich Naidoo von seinen Fans. Bis zum nächsten, besser abgestimmten Konzert.

Von Diana Surina

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