Yeah: Die neue CD der Kasseler Jazz-Band Joern and the Michaels

Kassels "nächste Supergroup" schrieb einst ein Fan von Joern and the Michaels. Das Jazz-Trio tourt längst bundesweit. Nun stellt es sein zweites Album vor.

Einen besseren Titel hätte das Kasseler Jazz-Trio Joern and the Michaels nicht finden können für sein zweites Album. „Yeah! Oh Yeah!”, heißt die CD, die Bassist Michael Haupt, Schlagzeuger Jörn Peeck und Pianist Michael Linke am Dienstag im Theaterstübchen und anschließend auf einer Deutschland-Tour vorstellen. Der Ausruf steht für den leichten und unbeschwerten Charakter der Band, von der zwei Drittel nun in Bremen studieren. Wir sprachen mit Joern and the Michaels.

Euren Kick-Jazz nennt ihr auch „Auf-dem-Tisch-Tanz-Musik“. Wird bei eurem Konzert im Theaterstübchen auf der Theke getanzt?

Michael Haupt: Hoffentlich wird es so voll, dass einige Zuschauer auf der Theke Platz nehmen müssen. Dann können Sie dort auch gleich tanzen.

Michael Linke: Mittlerweile sind wir viel herumgekommen, aber ein Auftritt in Kassel ist nach wie vor etwas Besonderes. Hier haben wir den größten Rückhalt. Und obwohl wir nicht mehr an der Kasseler Uni sind, können wir dort weiter proben. Dafür sind wir sehr dankbar.

Die neuen Songs bewegen sich weiterhin zwischen viel Energie und stillen Momenten. Was ist diesmal anders?

Jörn Peeck: Was das Zusammenspiel betrifft, kommen wir jetzt noch präziser auf den Punkt. Zugleich sind wir bei Experimenten und im freien Spiel mutiger geworden.

Michael Haupt: Auf unserem ersten Album war jedes Stück im 4/4-Takt. Das ist jetzt anders. Von den Harmonien bis zum musikalischen Ausdruck - alles hat sich erweitert.

Michael Linke: Das heißt aber nicht, dass unsere Musik per se komplizierter geworden ist. Wir können uns nach wie vor an Schlichtheit erfreuen. Auch wenn zwei von uns nun an der Musikhochschule studieren, wollen wir weiterhin ein breites Publikum ansprechen.

Was ist in Bremen anders?

Michael Haupt: Bremen hat eine lange Tradition als Musikhochschule. Darum ist die Szene dort facettenreicher. Man bekommt viel mehr Input.

Jörn Peeck: Wir haben unseren Horizont erweitert. Durch die neuen Kontakte ist uns aber auch klar geworden, was wir in Kassel auf die Beine gestellt haben und wie eng wir dort in all den Jahren zusammengewachsen sind.

Michael Haupt: Das ist unser Rockband-Ansatz. Im Jazz gibt es oft eine große Fluktuation, aber die Rolling Stones spielen seit fünf Jahrzehnten zusammen. Ich wünsche mir, dass wir wie die Stones auch mit 120 noch zusammen auf der Bühne stehen.

Im Video zu „Shake On It“ spielt ihr auf einer Veranda. Wo habt ihr den Song aufgenommen?

Michael Haupt: Das war im September auf unserem Bauernhof. Ich komme aus Empfertshausen in der thüringischen Rhön. Meine Mutter wurde 50, und es gab ein großes Fest. Wir haben ihr einige Ständchen gespielt, und in den Nachwehen der wilden Feierei haben wir das Video aufgenommen.

Selbst junge Pop-Bands klagen, wie schwierig es ist, von der Musik zu leben. Wie schwierig ist es als junge Jazz-Band?

Michael Haupt: Natürlich ist es schwierig. Keiner macht heute das große Geld mit Musik, wenn er nicht Dieter Bohlen ist. Aber wenn man genauso viel Zeit in seine Arbeit steckt wie ein Fliesenleger, dann kommt auch etwas Gutes heraus.

Jörn Peeck: Wir haben keine Booking-Agentur und stellen alles selbst auf die Beine. Die Webseite machen Freunde.

Michael Linke: Musik macht nur die Hälfte unserer Arbeit aus. Und wenn man 50 Anfragen wegen Konzerten verschickt und zwei Zusagen bekommt, darf man sich nicht beklagen. Die Leidenschaft, die man in die Musik legt, bekommt man zurück, wenn nach Konzerten jemand zu uns sagt: „Es ist mir egal, wie viel Klicks ihr auf Youtube habt. Eure Musik ist toll.“

Das Album „Yeah! Oh Yeah!“ gibt es ab Dienstag unter anderem über die Seite www.joernandthemichaels.de

Joern and the Michaels spielen Dienstag, 20. Oktober, 20 Uhr, im Theaterstübchen, Jordanstraße 11. Tickets beim HNA-Kartenservice, 0561/203-204.

Zur Band

Mitglieder: Michael Haupt (27, Bass), Jörn Peeck (26, Schlagzeug) und Michael Linke (27, Piano)

Auszeichnung: Kunstpreis der Stadt Kassel 2012

Sonstiges: Haupt und Peeck studieren Jazz an der Hochschule für Künste Bremen, Linke arbeitet nach seinem Musikstudium als Lehrer an der Klavierschule des Kasseler Jazzpianisten Edgar Knecht.

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