Auftritt in seiner Heimatstadt Kassel

Youtube-Held Milky Chance sorgt in seiner Heimatstadt für Ekstase

Auch live eine Wucht: Milky Chance im Club Batterie hinter dem Kasseler Kulturbahnhof. Foto: Schachtschneider

Kassel. Milky Chance schafft etwas, was bislang nur der documenta 13 gelang. Im vorigen Sommer lockte die Kunstschau die Massen in den Nordflügel des Kasseler Kulturbahnhofs, und nun steht am Samstag um 18 Uhr eine hundert Meter lange Schlange dort vor dem Club Batterie.

Und das viereinhalb Stunden bevor der Kasseler Youtube-Held die Bühne betritt, beworben nur über Facebook.

Keiner der 300 Besucher wird diesen Abend vergessen, und die anderen, die nicht dabei gewesen sind, werden sich später vielleicht noch ärgern. Sie haben einen Künstler verpasst, der gerade dabei ist, etwas Großes zu schaffen. Vor ziemlich genau einem Jahr lud der Abiturient seinen ersten Song bei Youtube hoch. Heute verzeichnet seine Seite mehr als 600.000 Klicks, jede Woche kommen 40.000 dazu.

Sein Debütalbum „Sadnecessary“ erscheint erst Ende Mai, aber schon jetzt gibt der 20-Jährige ausverkaufte Konzerte in Hamburg, Dortmund und Münster. Der Hype hat begonnen. Um seine Familie zu schützen, verrät Clemens seinen Nachnamen nicht. Freunde haben für ihn die Plattenfirma Lichtdicht gegründet. Milky Chance ist das Gegenmodell zum industrialisierten Casting. Das hier haben sich die Jugendlichen selbst aufgebaut.

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Und es funktioniert. Schon als Milky Chance mit seiner Gitarre und einem Kumpel am Laptop die Bühne betritt, wo die Bahn früher ihre Batterien aufgeladen hat, ist der Raum kurz vorm Explodieren. Die Musik hat man so noch nicht oft gehört. Indie-Rock trifft auf Reggae-Rhythmen, Singer/Songwriter-Pop auf House und andere Zitate aus Club-Sounds. Dazu singt Milky Chance Zeilen über Liebesunglück und durchtanzte Nächte wie im Hit „Stolen Dance“.

- Milky Chance auf Facebook

- Milky Chance  auf Youtube

Seine markant-herbe Stimme klingt wie Tom Waits auf Speed, und mit seiner Wuschelfrisur sieht er aus, als hätte er direkt nach dem Aufstehen in die Steckdose gefasst. Als die Fans nach einer Stunde begeistert Zugaben fordern, singt er mit der Kasseler Musikerin Paulina Eisenberg noch ein unfertiges Lied. Die junge Frau mit der Janis-Joplin-Stimme hatte schon im Vorprogramm nach der Dortmunder Band Vanilla Boat Crew für Begeisterung gesorgt.

Am Ende hören die „Zugabe“-Rufe nicht auf. Der sympathische Milky Chance sagt: „Man kann nicht weg hier. Ich fühle mich wie ein Hamster im Käfig, aber es ist nicht so schlimm, sondern schön.“ Das Hamsterrad läuft jetzt richtig an. Auf der Facebook-Seite des Nordhessen bittet ein Kanadier, er möge bald nach Montreal kommen.

Von Matthias Lohr

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