Jetzt haben sie auch ein Musikalbum

Youtube-Helden Die Lochis im Interview: "Wir sind ganz normale Teenies"

Die Lochis: Heiko und Roman Lochmann.

Die Lochis haben mehr als zwei Millionen Youtube-Abonnenten, einen Kinofilm und nun auch ein Musikalbum. Im Interview verraten die Zwillinge, wie sie normal bleiben konnten.

Die Lochis sind das, was vor zehn Jahren Bill und Tom Kaulitz von Tokio Hotel waren: Zwillinge, die jung sind und mega-erfolgreich. Ihr Youtube-Kanal, wo Roman und Heiko Lochmann aus dem südhessischen Riedstadt über Gott und die Welt quatschen und Popsongs parodieren, hat mehr als zwei Millionen Abonnenten. Zuletzt haben die 17-Jährigen einen Kinofilm gedreht, nun erscheint ihr Debütalbum. Der Plastik-HipHop-Pop ist kaum der Rede wert, aber die erstaunlich reifen Teenager haben trotzdem etwas zu sagen.

Haben sich die Anwälte von Cro schon bei euch gemeldet? Euer „Lieblingslied“ klingt sehr nach seinem Hit „Einmal um die Welt“. 

Roman: (lacht) Nein, natürlich gibt es die einen oder anderen Züge von Cro auf dem Album. Dessen Musik haben wir oft gehört, auch die von Justin Bieber und Drake und was sonst so an Pop im Radio läuft. Dass manche Inspiration herauszuhören ist, finde ich nicht schlimm. Denn letztlich haben wir unseren eigenen Style gefunden.

War es klar, dass Ihr nach euren riesigen Youtube-Erfolgen irgendwann ein Album aufnehmt? 

Heiko: Das war schon immer unser Traum, weil wir von klein auf Musik gemacht haben. Für unsere persönliche Ebene ist das noch wichtiger als der Kinofilm, den wir gemacht haben.

In „Wie ich“ heißt es: „Du bist mein Spiegelbild, das ich nie verlieren will.“ Geht ihr euch manchmal total auf den Sack? 

Heiko: Nein, das geht, echt. Wir kennen uns so lange, dass wir ein Team sind. Wenn wir uns doch mal auf den Sack gehen, dann eher so für zehn Minuten. Wir sind nicht tagelang auf den anderen sauer.

Andere Jugendliche haben Hobbys und treffen sich mit Freunden. Ihr dagegen habt neben der Schule eine Wahnsinnskarriere gemacht. Vermisst ihr manchmal etwas? 

Heiko: Wir bereuen nicht, dass wir uns für dieses Leben entschieden haben. Und natürlich nehmen wir uns Zeit für Freunde, wenn wir mal Zeit haben. Wir führen ein ganz normales Teenieleben.

Aber wenn ihr auf der Frankfurter Zeil einkaufen würdet, gäbe es einen Massenauflauf.

Roman: Man wird schon häufiger von Jugendlichen auf der Straße erkannt, das stimmt. Aber wir sind nicht von einem auf den anderen Tag bekannt geworden. Das war ein langer Prozess. Mit der Zeit haben wir uns daran gewöhnt, dass man sich einschränken muss.

Wann hat das eigentlich alles angefangen? 

Heiko: Schon im Kindergartenalter haben wir als Zwei-Mann-Band rumgeklimpert. Wir waren immer sehr kreativ. Mit Unterhaltung hatten unsere Eltern beruflich nie etwas zu tun. Unser Vater ist gelernter Tischler. Wir sind die ersten in der Familie, die im Showbusiness Fuß gefasst haben.

Manche Eltern wollen ja, dass ihre Kinder Stars werden.

Roman: Bei uns war das nie so. Unsere Eltern wussten am Anfang nicht einmal, was wir da machen. Die ersten Videos haben wir bei Youtube hochgeladen, ohne dass sie das mitgekriegt haben. Nach ein paar Wochen haben wir ihnen dann alles erklärt, und sie fanden es voll okay. Sie haben immer an uns geglaubt und uns machen lassen, aber es kam immer alles von uns.

Zuletzt habt ihr sogar den ZDF-„Fernsehgarten“ gerockt, den ja eher ältere Zuschauer einschalten. Wann bekommt ihr eure eigene Fernsehshow? 

Heiko: Im Moment gibt es keine konkreten Pläne, aber wenn alles stimmt, sind wir offen für alles. Es war cool, beim „Fernsehgarten“ in die klassische Fernsehwelt reinzuschnuppern, weil man immer neue Zielgruppen ansprechen sollte.

Schaut ihr überhaupt noch klassisches Fernsehen? 

Heiko: Kaum, wir haben sehr wenig Zeit. Wenn wir Zeit haben, schauen wir bei Netflix Serien. Aber das klassische Fernsehen ist noch lange nicht tot.

Von nun an kann es für euch eigentlich nur noch bergab gehen, oder? 

Heiko: Jetzt geht es erst richtig los. In der Musikbranche fassen wir gerade erst Fuß. Wir gehen mit einer Riesendemut an die Sache heran, weil wir wissen, dass so ein Erfolg, wie wir ihn haben, nicht selbstverständlich ist. Wir geben jede Menge Gas.

Habt ihr euch Tipps von Tom und Bill Kaulitz geholt, die als Tokio-Hotel-Zwillinge ebenfalls sehr erfolgreich waren und es heute nicht einfach haben? 

Roman: Nein, aber mit sechs Jahren war ich ein großer Fan. Meine allererste CD war von Tokio Hotel. Meine Oma hat sie mir damals geschenkt. Tokio Hotel haben uns inspiriert. Es ist eine Ehre, mit ihnen gleichgestellt zu werden.

Habt ihr Verständnis, dass Eltern eurer Fans von den pubertären Witzen und dem platten Humor genervt sind? 

Heiko: So ist das nicht mehr. Das sehen wir bei Konzerten. Viele Eltern begleiten ihre Kids und feiern richtig mit. Die meisten Eltern, die sich mit uns beschäftigen, finden uns irgendwann cool. Erst recht bei der Musik. Unser Album ist für alle zwischen 9 und 99.

Es fällt auf, dass es auf „#zwilling“ kein Lied über Liebeskummer gibt. Habt ihr keinen? 

Roman: Aktuell nicht. Im Moment hätten wir auch gar keine Zeit für eine Freundin. Außerdem gibt es schon so viele Songs über Liebeskummer. Da müssen wir nicht auch noch einen machen.

Die Lochis im Interview:

Zu den Personen:

Namen: Heiko und Roman Lochmann

Geboren: am 13. Mai 1999 in Mainz

Ausbildung: Fachabitur

Karriere: 2011 starteten die Lochis ihren Youtube-Kanal. Bereits 2009 hatte Roman mit der Österreicherin Lara Krause und einem Coversong von Cassandra Steen die ORF-Castingshow „Kiddy Contest“ gewonnen. 2015 drehten die Lochis die Kinokomödie „Bruder vor Luder“.

Erfolgreichstes Video: „Durchgehend online“ (mehr als 18 Millionen Klicks)

Privates: Beide leben bei ihren Eltern im südhessischen Riedstadt („Wir sind immer noch die Jungs vom Kuhdorf“)

Das Album: Lochis: #zwilling (Department Musik/Warner).

Wertung: zwei von fünf Sternen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.