Mut zahlte sich aus: Saxofonist Dirk Raulf im Foto-Motel

Vom Zerbrechlichen bis zu Heavy Metal: Saxofonist Dirk Raulf - hier mit einem Sopran-Saxofon. Foto: Malmus

KASSEL. Nicht alle Tage kommt es vor, dass ein Musiker das Publikum für dessen Tapferkeit lobt - wie der Kölner Saxofonist Dirk Raulf am Mittwoch im Foto-Motel. Aufgeschlossenheit für ein langes Bläsersolo war tatsächlich gefordert. Aber sie wurde mit einer intensiven Darbietung belohnt.

Raulf ist unter anderem bekannt durch das Ensemble Deep Schrott, das sich selbst als das „einzige Bass-Saxofon-Quartett des Universums“ bezeichnet. Einen Namen hat er sich auch als Schauspielmusiker gemacht. Seit einigen Jahren gastiert er regelmäßig am Staatstheater Kassel.

Im Foto-Motel ließ er in bohemehafter Salon-Atmosphäre eine Spannweite vom Zerbrechlichen bis zu Heavy Metal erklingen. Er spielte eigene Stücke wie „Placing the Stakes“, die ihn als überlegenen Melodie-Architekten auswiesen. Er präsentierte fremdes Material in einem ungewöhnlichen Zusammenhang.

Freie Assoziationen über Stings „Fragile“ gab es, Black Sabbaths „Paranoid“ und Thelonious Monks „Well You Needn’t“. Moderne Effekte wie Mehrklänge, Luftgeräusche, schwirrende Arpeggien und scharfe Akzente wurden ausgeschöpft. Das Sopran-Saxofon führte in die Höhe, das Bass-Saxofon röhrte abgrundtief.

Großartig war nun, wie er all diese Elemente zusammenbrachte, ohne dass die Spannung abriss. Nicht jeder Improvisator hat so viel Sinn für Dramaturgie und Atmosphäre - darin zeigte sich wohl die Erfahrung des Bühnenmusikers. Der Zuhörerkreis lauschte konzentriert, sparte nicht mit Beifall.

Nachhören kann man Raulfs Solokunst auf seinem Album „Writ in Water“, erschienen bei seinem eigenen Label Poise. Die CD enthält zwölf Live-Aufnahmen, die an verschiedenen Orten gemacht wurden, sogar auf einem Begräbnis. Ein ausdrucksstarkes Tondokument.

Dirk Raulfs Solo-CD „Writ in Water“ kann für 12 Euro auf der Homepage www.poise.de bestellt werden.

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