Martinskirche: Paul Ayres mit „Happy Hardcore“

Zahme Nummer

Kassel. Höchst unterschiedlich ist die Akzeptanz von zeitgenössischer Kunst und moderner E-Musik. Man hat schon herausragende avantgardistische Orgelkonzerte vor kleinem Publikum erlebt, doch am Freitag kamen 380 Gäste zum Kunst-Event in der Martinskirche. Nicht Olivier Messiaen oder ein anderer Neutöner wurde an der Orgel gespielt, sondern Happy Hardcore, ein Genre aus dem weiten Feld der elektronischen Tanzmusik.

Der Abend in der von der Firma Ton Direkt eindrucksvoll schick ausgeleuchteten Martinskirche gehörte zur Matt-Stokes-Ausstellung „No Place Else Better Than Here“, die noch bis zum 20. Februar in der Kunsthalle Fridericianum zu sehen ist. Deren künstlerischer Leiter Rein Wolfs sowie Matt Stokes selbst führten ins Programm ein, bevor der Londoner Organist Paul Ayres Stücke aus dem Happy-Hardcore-Genre zum Besten gab - und für sein präzises Spiel viel Beifall bekam.

Das klang gleichwohl weder happy noch nach Hardcore. Vieles tönte eher meditativ. Losgelöst von der DJ-Kultur zeigten die Transkriptionen vor allem, wie einfach der Kern dieser Musik ist. Er besteht in der Wiederholung simpler Motive, etwa der lieblichen Melodie aus dem Film „Braveheart“.

Da wohl in manchen Köpfen die Ansicht herumspukt, dass (moderne) Orgelmusik konservativ und Popkultur fortschrittlich sei, muss festgehalten werden: Im Vergleich mit den schrägen Sounds und freien Strukturen der E-Musik war dieser vermeintliche Hardcore eine zahme Nummer.

Von Georg Pepl

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.