Schockrocker Marilyn Manson setzt sich in der Kunsthalle Wien als Maler eindrucksvoll in Szene

Zarte Farben, harte Themen

Der Künstler und sein Werk: Der Schockrocker Marilyn Manson vor einem seiner Aquarelle in der Ausstellung in der Kunsthalle Wien. Fotos: dpa/Kunsthalle

Wien. Marilyn Manson, mit bürgerlichem Namen Brian Hugh Warner, hat als Schockrocker weltweit Berühmtheit erlangt. Ob die Anzahl seiner Platinalben die seiner Gerichtsverfahren übertrifft oder umgekehrt, ist schwer auszumachen. Nun hat der streng schwarzweiß gestylte Gothicpop-Star den Reiz der Farben entdeckt, und zwar als Aquarellmaler.

20 seiner mittelformatigen Werke sind derzeit für einen kurzen Zeitraum in der Wiener Kunsthallen-Dependance „project space“ zu sehen. „Genealogies of Pain“ (Stammbäume der Schmerzen) heißt die Ausstellung. Sie zieht vor allem „museumsferne“ Publikumsschichten an, und das zu ungewöhnlichen Öffnungszeiten, 13 Uhr bis Mitternacht.

Auf den ersten, oberflächlichen Blick wirken Mansons Bilder gar nicht „nächtlich“, eher morgendämmerungsfrisch. Nutzt er doch das ganze Farbspektrum, das ein Aquarellmalkasten zu bieten hat, für sanfte Übergänge, ineinander verschwimmende Töne und zarte Akzente. Doch nur bei einem der 20 Bilder, es zeigt ein rotes Herz in pastellfarbener Umgebung, korrespondiert die Malweise mit dem Inhalt, das Werk könnte auch die Titelseite eines Poesiealbums schmücken.

Die anderen 19 freilich hätten in einem Poesiealbum nichts, aber auch gar nichts verloren. Sie bestechen vielmehr durch den krassen Gegensatz zwischen dem weichen Aquarellstil und der Härte ihrer Sujets.

„Der Mann, der seine Finger isst“, heißt eines der Bilder, und genau dies tut der Mann, der dem Künstler zum Verwechseln ähnlich sieht. Einer anderen Figur, „Der Zimmermann“ genannt, sind vier gewaltige Nägel in den Kopf getrieben. „Elisabeth Short als Schneewittchen“ zeigt den blutigen Torso einer gemeuchelten Frau. Was von weitem als hinreißende Farbkomposition um die Gunst des Betrachters buhlt, erweist sich in der Nähe jäh als Alptraum.

Auch bei seinem Abstecher zur Malerei bleibt Marilyn Manson also der Janusköpfigkeit des selbst gewählten Künstlernamens treu: Hier Marilyn (Monroe), die Ikone, dort (Charles) Manson, der Massenmörder - Gut und Böse, Licht und Schatten, so das Credo des gelernten Journalisten und studierten Theatermannes, gehören untrennbar zusammen. So wie Schmerz, Verlust, Verzweiflung im Gewand der transparentesten, ja, lieblichsten aller Maltechniken ihren Ausdruck finden können.

Bis 25. Juli, Kunsthalle Wien, www.kunsthallewien.at

Von Verena Joos

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