Neu im Kino: Woody Allen ist in „To Rome With Love“ auch als Darsteller in Bestform

Zauber der ewigen Stadt

Mach dich mal locker, Mann: Dem etwas angespannten Antonio (Alessandro Tiberi) will Edel-Prostituierte Anna (Penelope Cruz) in lauschiger Umgebung Nachhilfe in Liebesdingen geben. Foto: Tobis

Woody-Allen-Filme kann man durchaus neidisch verlassen. Jahr für Jahr versammelt der 76-Jährige schöne Menschen in tollen Städten: London, Barcelona, Paris. Jahrzehnte auf den Schauplatz Manhattan fixiert, erobert sich der Regisseur inzwischen Europa auf äußerst attraktive Weise. Nun also geht es „To Rome With Love“.

Die New Yorker Neurosen schleppt Allen, der endlich wieder selbst mit- und den Musikproduzenten im Ruhestand Jerry spielt, über den Atlantik. Die meisten seiner Protagonisten sind Urlauber oder Austauschstudenten, also behält er den unverbrauchten, auch sentimentalen Touristen-Blick auf die ihm wenig vertraute Stadt, die gleichermaßen lediglich Kulisse wie Hauptdarsteller ist.

Denn Allen macht sich einerseits gar nicht die Mühe, Rom jenseits von grandiosen Postkartenansichten begreifen zu wollen, andererseits zelebriert er den Zauber antiker Ruinen, barocker Plätze und der südlichen Sonne und Vegetation auf betörende Weise.

Er setzt einfach ein paar Protagonisten auf der Piazza Navona, an der Spanischen Treppe oder auf dem Kapitol aus und lässt sie loslegen. Mit Elementen der Verwechslungskomödie bis hin zum Slapstick, vielen unwahrscheinlichen Zufällen, unsichtbaren Erzählern und Kommentatoren. Das funktioniert wunderbar, auch dank eines Starensembles mit Alec Baldwin, Penelope Cruz, Jesse Eisenberg, Ellen Page und Roberto Benigni, das bis in kleinste Nebenrollen (Ornella Muti) hinein prominent besetzt ist.

Von drei jungen Paaren erzählt Allen. Ein Anwalt, politisch Linksaußen, verliebt sich in eine US-Touristin. Deren wohlhabende Eltern reisen an. Ein Studentenpärchen bekommt Besuch von ihrer besten Freundin, prompt verliebt er sich in den Gast. Ein frisch verheiratetes Paar will sich der reichen Verwandtschaft vorstellen, beide geraten auf wundersame Weise auf Abwege: Er gerät an eine Prostituierte für die oberen Zehntausend, sie verfällt einem schmierigen Schauspieler. Dann gibt es einen Angestellten, der plötzlich berühmt ist, nur weil er berühmt ist, und den Vater des Anwalts, einen Bestatter, der fantastisch singt, aber bloß im Bad. Musikmanager Jerry verschafft ihm einen Sensationserfolg, indem er ihn als Helden der Oper „Der Bajazzo“ ausschließlich unter einer Dusche auftreten lässt.

Dass Allen all die losen Enden der Episoden gar nicht verknüpft, fällt kaum auf, so sehr bezaubern Dialogwitz, Spritzig- und Leichtigkeit seines Ausflugs in die ewige Stadt.

Genre: Komödie

ohne Altersbeschränkung

Wertung: !!!!:

www.hna.de/kino

Von Mark-Christian von Busse

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