Neu im Kino: Sch’tis auf Italienisch - „Willkommen im Süden“

Zauber des Mozzarella

Zauber des Südens: Alberto (Claudio Bisio) wirft seine Vorurteile über Süditalien über Bord, je länger er an der idyllischen Mittelmeerküste lebt. Foto:  Constantin/ nh

Allein der stinkende Gorgonzola gibt Alberto (Claudio Bisio) noch ein Gefühl von Heimat. Ein riesiges Stück des schmierigen Schimmelkäses hat der Postbeamte aus der Mailänder Gegend mit in den fernen Süden Italiens mitgebracht, um sich dort leichter einzugewöhnen.

Was bei der einheimischen Bevölkerung auf höchste Verwunderung stößt. Hier isst man schließlich unentwegt Mozzarella.

Wie sich Alberto an den frischen Büffelmilch-Käse gewöhnt, an die Angewohnheit der Südländer, rund um die Uhr „Käffchen“ zu trinken, an den breiten Dialekt der Kampanier und ihr herzliches Wesen, mit dem sie sich zwar an Büro-Öffnungszeiten nicht halten, die Arbeit aber trotzdem organisiert kriegen, das erzählt die italienische Komödie „Willkommen im Süden“.

Regisseur Luca Miniero hat darin Szene für Szene, Witz für Witz den französischen Erfolgshit „Willkommen bei den Sch’tis“ adaptiert und würdigt im Abspann Drehbuchautor, Regisseur und Hauptdarsteller Dany Boon, dem er einen kurzen Cameo-Auftritt schenkt. In Italien trifft der Film einen Nerv, schon 4,9 Millionen Besucher haben sich die Postboten-Komödie über das Überwinden von Vorurteilen angeschaut. Und das malerische Örtchen Castellabate südlich von Neapel erlebt einen Besucherandrang.

Schusssichere Weste

Silvia und Alberto Colombo haben sich in ihrer norditalienischen Reihenhaus-Spießigkeit schick eingerichtet. Man ist karriereorientiert, trinkt den Wein aus riesigen Designergläsern und achtet darauf, übers empfindliche Parkett nur mit Pantoffeln zu gehen. Als Alberto nach Süditalien strafversetzt wird, bewegt er sich erst nur mit schusssicherer Weste durch das Örtchen und kommt mit der lässigen Art der Postangestellten und ihren rustikalen Essgewohnheiten überhaupt nicht klar.

Doch deren Herzlichkeit, der Rotwein, der hier aus unprätentiösen kleinen Gläsern getrunken wird, und der Blick aufs glitzernde Meer verändern Alberto schneller als er je dachte. Nur seiner Frau erzählt er nichts davon, das ist für die Ehe einfacher. S

o fährt der Postdirektor zähneknirschend am Wochenende ins neblige Zuhause, um wochentags in seiner Postfiliale an der idyllischen Piazza mit Freund Mattia (Alessandro Siani) das wahre Leben zu leben. Als Siliva ankündigt, ihrem Mann beizustehen, droht das Geheimnis aufzufliegen.

Sicherlich trägt das „Sch’tis“-Thema auch in Italien, natürlich funktioniert ein gutes Skript auch ein zweites Mal. Problematisch wird der optisch etwas zu Postkarten-idyllische Film eigentlich nur, wenn man das Original kennt. Denn an das geniale Darsteller-Duo Dany Boon und Kad Merad, der den Postbeamten spielt, reichen die italienischen Hauptdarsteller nicht heran.

Sie und ihre Gags trauen sich irgendwie nicht aus der Reserve. Wo Merad/Boon wunderbar über die Stränge schlagen und auch einmal etwas wagen, bleibt das italienische Team Bisio/Siani viel zu zahm.

Genre: Komödie

ohne Altersbeschränkung

Wertung: !!!::

www.hna.de/kino

Von Bettina Fraschke

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