Terry Bozzio zelebrierte im Schlachthof einen Auftritt am Mega-Schlagzeug

Zauberer an den Becken

Bühnengroßes Instrument: Schlagzeuger Terry Bozzio beim Auftritt im Schlachthof. Foto:  Zgoll

Kassel. Ein Schlagzeug, das als Skulptur bei jeder documenta Aufsehen erregt hätte: Die Bühne des Kulturzentrums Schlachthof – man hat dort schon Bigbands gesehen – reichte am Freitagabend so eben aus, um das Monster-Drumset von Schlagzeug-Guru Terry Bozzio aufnehmen zu können.

Es muss Stunden gedauert haben, um die zentimetergenau platzierten und in festgelegten Intervallen gestimmten Instrumente aufzubauen. In mehreren Reihen und über zwei Meter hoch türmten sich um die fünfzig Cymbals, dreißig verschiedene Toms, Snaredrums, sieben Basstrommeln, Pedale, Gongs, Glockenspiel und diverse Perkussionsteile.

Verrückt im positiven Sinn

Vermutlich das größte Konzertschlagzeug unseres Planeten. Designt und bespielt von einem Mann, der von der Fachwelt als einer der größten Schlagzeuger aller Zeiten angesehen wird - bei manchen gilt er auch als einer der verrücktesten im positiven Sinn.

Aufgrund dieser enormen Popularität war die Veranstaltung ausverkauft, einige Eltern hatten ihren Nachwuchs mitgebracht und einige Zuschauer saßen sogar am Bühnenrand, um jede Bewegung des Trommel-Großmeisters zu verfolgen.

Der zeigte in zwei Konzerthälften, dass man sich als Schlagzeuger nicht auf Rhythmus und Groove beschränken muss: Meist über Bassdrum-Ostinatos spielte der 62-jährige Bozzio seine melodischen Figuren auf den hoch gestimmten Toms, akzentuiert mit krachenden Chinabecken-Akzenten. Das entwickelte eine hypnotische Sogwirkung und erinnerte manchmal an ein indonesisches Gamelan-Orchester.

Im zweiten Teil zeigte Bozzio dann das, was wohl die meisten Besucher hören wollten: rasende Bassdrum-Attacken mit furiosen Snaredrum-Wirbeln und knalligen Beckenakzenten. Heftiger Applaus, aber keine Zugabe.

Von Wolfgang Wollek

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