Zauberhaftes Hörkino: Ausnahme-Akkordeonist Kimmo Pohjonen bei den Kasseler Musiktagen

Farbige Klangreise: Kimmo Pohjonen (Akkordeon), das Proton String Quartet und Samuli Kosminen (Sampling). Das Foto entstand bei einem früheren Auftritt. Foto: kmt/nh

Kassel. In seiner Jugend spielte Kimmo Pohjonen mit seinem Vater auf Volksfesten Polkas. Wie in einem goldenen Käfig, der ihn in vorgegebene Klangmuster einsperrte, fühlte er sich.

Als der finnische Musiker während seines Musikstudiums in Helsinki ein Konzert des legendären afrikanischen Musikers Hukwe Zawose hörte, war er fasziniert, war der Wunsch nach eigenem, musikalischem Ausdruck geboren. Pohjonen wurde zum Schatzsucher in sich selbst. Sein Akkordeon wurde der Schlüssel zum Tor ins Reich neuer, eigener, bisweilen exzentrischer Klangszenarien, die mit elektronischen Ausdrucksmitteln zusätzlich angereichert werden.

Tolle, packende, geheimnisvolle Stimmungsbilder entstehen bei dieser Verquickung. Am Samstag trat der 52-Jährige im Rahmen der Kasseler Musiktage zusammen mit dem Proton String Quartett und seinem Landsmann und langjährigen Co-Komponisten Samuli Kosminen (Percussion / Sampler – ein elektronisches, meist über Midi ansteuerbares Musikinstrument) in der ausverkauften documenta-Halle auf.

„Uniko“ ist der Name des Programms und der gleichnamigen CD. Es ist ein atmosphärisch ungemein intensives und fantasievolles Werk. Optisch wirkt Pohjonen wie eine Kreuzung aus Schamane, Punker und Indianer. Bei dem Konzert trägt er, wie auch Kosminen, einen langen, schwarzen Rock. Mit einem Geräusch, das an einen kräftigen Wind erinnert, der sich über die sanften Klangwellen aus Streichern und Akkordeon legt, eröffnet das Konzert.

Kurz darauf beginnt die Musik anzuschwellen, gewinnt an Fahrt und Dynamik, wird angetrieben von Cello-Klängen und wechselt in eine flirrende Geräuschvielfalt, die an das pulsierende Leben in einem Dschungel erinnert.

Schwebende Streicher, quirlende Akkordeontöne und Kosminens elektronische Geräuschkreationen verschmelzen zu einer ungemein spannenden, facettenreiche Reise durch eine Fantasiewelt, die für großes Kopfkino sorgt, permanent Bilder vor dem inneren Auge aufsteigen lässt, gefangen nimmt, verzaubert.

Standing Ovations und eine Zugabe.

Von Steve Kuberczyk-Stein

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.