Smetanas beliebte „Verkaufte Braut“ am Theater Wiesbaden

Zauberwelt im Zirkus

Schillernde Zirkuswelt: Vorn der stotternde Wenzel (Erik Biegel). Foto:  Kaufhold

Wiesbaden. Bedrich Smetanas 1866 uraufgeführte tschechische Nationaloper „Die verkaufte Braut“ in Michiel Dijkemas spritziger Einstudierung im Wiesbadener Staatstheater - das ist ein „Treffer“, den das Publikum mit fröhlichem Applaus für Solisten, Chor und die brillanten Musiker honorierte.

Sie ließen unter Wolfgang Otts elektrisierendem Dirigat bereits bei der Ouvertüre aufhorchen, die hohe Ansprüche ans Orchester stellt.

Der Inhalt ist bescheiden. Doch die Zuschauer, die einen dreistündigen, hübschen bunten Abend (mit „Braut-Auktion“ als Intermezzo im Foyer) erlebten, waren zufrieden. Dijkema steht für werkgerechte Arbeit, straffe Personenführung, tolle szenische Einfälle und bruchloses Ineinandergehen der Szenen, die Smetanas reizvolle Melodien mit kräftigen Bildern und böhmischem Lokalkolorit illustrieren.

Auf der Bühne steht ein riesiger „Heustadel“, aus dem die neugierige Dorfjugend mit sichtlichem Spaß das Turteln und Treiben des Liebespaares Hans und Marie beäugt. Man steigt auf die Barrikaden, wenn’s um Ehre, Brauch und Sitte geht: Seine Braut für 300 Gulden zu „verkaufen“ und sie an Wenzel abzutreten, den von Maries Eltern zum Schwiegersohn erkorenen stotternden Sohn des reichen Bauern Micha, ist der Gipfel der Schamlosigkeit.

Aber Marie, die nicht ahnt, dass ihr Hans Michas älterer Sohn ist, der einst die Heimat verließ, zeigt die Krallen und gibt die Hoffnung auf den Liebsten nicht auf. Ihr bauernschlauer Bräutigam hat vorgesorgt und einen Trick erdacht, mit dem er den geldgierigen Heiratsvermittler Kecal (der souveräne Bassist Bernd Hofmann) aufs Kreuz legt.

Eine schillernde Schaustellerwelt bringt Dijkema als Gegenentwurf zum Dorfalltag: Als fesselnde Show mit Akrobaten, Jongleuren, Messerwerfern, Zauberern. Als Jungbrunnen und Traum von einem anderen Leben.

Viel Lob für die ausgezeichnete schauspielerische Leistung der indisponierten, „stummen“ Sarah Kempton als Marie und die Partie am Bühnenrand singende Sopranistin Caroline Melzer. Bravos für Kor-Jan Dusseljee, der mit kraftvollem Tenor als Bräutigam brilliert.

Wieder am 14. 2., 6., 10.3., Tel. 06151/132325,

www.staatstheater-wiesbaden.de

Von Britta Steiner-Rinneberg

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