Jürgen Pasche hat sein viertes Buch veröffentlicht

Ein Zaungast fremden Lebens

Fühlt sich auch in problematische Biografien sensibel ein: Jürgen Pasche. Archivfoto: nh

Kassel. „Wechselbäder“ nennt der Kasseler Autor Jürgen Pasche sein neues, viertes Buch. Ein passender Titel, charakterisiert den kleinen Band doch sowohl der Wechsel von der Lyrik zur Prosa und zurück als auch der Wechsel der Grundstimmungen, die seine erzählerischen Miniaturen ausstrahlen.

Da amüsieren wir uns etwa über den skurrilen Kauz, den an Büchern lediglich der Schutzumschlag fasziniert, und im nächsten Augenblick erschüttert uns ein düsteres Kindheitstrauma, unter dem der Protagonist der nächsten Begebenheit zu leiden hat. Fast all seine Geschichten legt Pasche einem Ich-Erzähler in den Mund, der aber nicht allwissend ist, sondern nur ein freundlicher, schon ein wenig altersweiser Zaungast fremden Lebens, der sich auf Ungereimtes in aller gebotenen Diskretion seinen eigenen Reim macht. Vor allem diese ungewöhnliche Erzählperspektive macht den Reiz des Bändchens aus.

Neu sind die Versuche des Autors, abstrakte Federzeichnungen des Künstlers Gerhart Fuhr mit sprachlichen Assoziationen zu konfrontieren. Erstaunlich, welchen Kosmos von Stimmungen und Gefühlen er diesen auf den ersten Blick unzugänglich wirkenden Gebilden entlockt.

Jürgen Pasche, das zeigt auch dieser Ausflug in ungewohntes Terrain, ist ein durch und durch empathischer Schreiber. Einer, der sich ebenso in noch so kryptische künstlerische Zeichen wie in problematische Biografien einfühlen kann.

Jürgen Pasche: Wechselbäder, Geschichten, Gedichte und anderes, Books on Demand, 108 Seiten, 7 Euro. Wertung: !!!!:

Von Verena Joos

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