Uraufführung von Müller-Hornbachs „Dekalog“ in der Christuskirche

Das Ich und die Zehn Gebote

KASSEL Als „Taktgeber des Christentums“ bezeichnete Rüdiger Faust, der Kirchenvorstandsvorsitzende der Christuskirche, die Zehn Gebote und gab damit das Stichwort zur Uraufführung des fast anderthalbstündigen Werks „Dekalog“ des Frankfurter Komponisten Gerhard Müller-Hornbach am Montagabend.

Das elfteilige Stück, ein Auftrag der Christuskirche und Teil der Kasseler Musiktage, nimmt Bezug auf das aus vierzehn Schieferplatten bestehende Kunstwerk von Dagmar Weissinger „Dekalog und Kreuz“ in der Apsis der Kirche, eine moderne Annäherung an die Zehn Gebote, die viel Raum für eigene Reflexion lässt.

Die Grundentscheidung, wie den alttestamentlichen Geboten und dem modernen Kunstwerk mit der Musik eine weitere Dimension hinzugefügt werden kann, traf Müller-Hornbach, indem er einer festen Gruppe aus Kontrabass und Schlagzeug der Reihe nach zehn Individuen (Akkordeon, Geige, Saxofon, Cello, Trompete, Flöte, Klarinette, Gitarre, Horn und Blockflöte) dialogisch entgegentreten lässt.

Zwischen fünf und acht Minuten dauert jede dieser Abschnitte. Ruhige Linienführung und häufige Wiederholungen erzeugen dabei eine meditative Stimmung, die die Zuhörer in die Spannung zwischen Ich und Gebot hineinzieht. Nur manchmal scheint dabei Erregung auf, so nachvollziehbarerweise beim Fünften Gebot „Du sollst nicht töten“.

Am Ende treffen sich alle zwölf Instrumente in einem „Epilogo utopico“, der allerdings kein Paradies, kein glückliches Gemeinsames enthüllt, sondern in fahlen Klangfarben verläuft. Offensichtlich wollte der Komponist Hoffnung nicht die Oberhand gewinnen lassen.

Die Musikerinnen und Musiker des Mutare-Ensembles, das Müller-Hornbach vor 18 Jahren gründete, waren perfekt auf ihre Aufgaben vorbereitet und bewältigten sie überaus professionell. Die 150 Zuhörer, angeregt von einem besonderen Erlebnis, das auf den Ort zugeschnitten war, spendeten ihnen und dem Komponisten freigiebig Beifall.

Von Johannes Mundry

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