Neue Musik: Eckhard Manz und die Kantorei St. Martin überzeugen in der Martinskirche

Im Zeichen der Apokalypse

„Neue Musik in der Kirche“ : Julia Mihály (rechts außen), daneben Eckhard Manz, Kantor an der St.-Martins-Kirche in Kassel und künstlerischer Leiter, dahinter die Vokalsolisten St. Martin und die Mitglieder der Kantorei St. Martin, links die Instrumentalisten. Foto: Socher

Kassel. Bereits bei Monteverdis Orfeo und später Mozarts Requiem symbolisierte die Posaune das Transzendierende und Sakrale. Kein Zufall ist es sicherlich auch, dass der Karlsruher Komponist Wolfgang Rihm sein Werk „Nachtwach“ gleich mit vier Posaunen besetzte und auf anderes Instrumentarium, abgesehen von einem Woodblock, verzichtete.

Sonntagabend stellte dieses beeindruckende Werk für vier Posaunen, acht Solisten und Kammerchor den Höhepunkt des ersten Konzertes der Reihe neue Musik in der Kirche dar.

Dieses Jahr rückt das zwischen dem 23. und 30. Mai stattfindende Festival eben diesen Wolfgang Rihm in den Mittelpunkt seiner Konzerte. Mit seiner enormen Schaffenskraft und Kreativität gehört der Professor der Musikhochschule Karlsruhe zu den bedeutendsten Komponisten unserer Zeit.

„Nachtwach“ von Rihm

Unter der souveränen Leitung von Kantor Eckhard Manz führten die Vokalsolisten und die Mitglieder der Kantorei St. Martin unter anderem Rihms „Nachtwach“ in der leider etwas schwach besuchten Martinskirche auf. Durch eine exzellente Intonation und eine hohe stimmliche Brillanz versetzte das Ensemble, das sich vor und hinter dem Publikum aufgestellt hatte, die Zuhörer in eine apokalyptische Stimmung.

Beinahe wie Nebelhörner eröffnen die Posaunen dieses Werk, um von einem sanften Nebelschleier des Chores beantwortet zu werden.

Beängstigend und geheimnisvoll zugleich gestaltet sich der fein gewobene Klangteppich, in welchem sich sperrige (Blech-)Cluster, Quintklänge und plötzlich hereinbrechende Fortissimo-Einwürfe der Bläser und des Chores zu einer düsteren Klanglandschaft vermischen.

Makellose Julia Mihály

Eine ähnlich hoffnungslose Situation beschreibt auch Rihms „Quo me rapis“, in welchem Irritation und Ziellosigkeit zum Dauerzustand erhoben werden. Ausdrucksstark und makellos war an diesem Abend auch die Vorstellung der Sopranistin Julia Mihály, die mit zwei Ausschnitten aus Aribert Reimanns „Eingedunkelt“ für Gesangssolo überzeugte.

Ein Farbtupfer in diesem sehr düsteren und etwas depressiv wirkenden Programm war dagegen Bachs Kantate „Der Geist hilft unserer Schwachheit auf“.

Von Sebastian Krämer

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