Zeichner im Kloster: Die einzigartige Sommerakademie der Kasseler Caricatura

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Gleicher Begriff, unterschiedliche Bearbeitung: Dorthe Landschulz’ Zeichnung (links) und Eva Beckers Illustration sind in der Sommerakademie für Komische Kunst in der Caricatura entstanden. Das Thema lautete „Godzilla“. Fotos: nh

Kassel. Die Sommerakademie in der Caricatura sei wie ein grafisches Kloster, sagt Workshopleiter André Poloczek alias Polo. Die Teilnehmer arbeiteten zusammen, äßen zusammen und legten sich dann schlafen.

Und tatsächlich herrschte beinahe klösterliche Ruhe, als die 19 Künstler dem Tagesreferenten Mario Lars zuhörten. Seit 2007 veranstaltet die Caricatura ihre Sommerakademie für Komische Kunst. Der Austausch der Teilnehmer, die bereits professionelle Karikaturisten sind oder es noch werden wollen, mit renommierten Künstlerin ist bundesweit einmalig.

Referent Lars berichtete aus dem Alltag eines Karikaturisten und erklärte, wie die Zeichner am besten einen Fuß in die Tür der Zeitungsredaktionen bekommen können. „Man muss Klinken putzen“, erzählte der Cartoonist und beklagte, dass der künstlerische Wert komischer Zeichnungen in Tageszeitungen eher gering sei.

Er gab seinen Zuhörern praktische Tipps zu Nischen, Honoraren und Themen. „Migration in Deutschland ist ein wichtiges Thema, das immer nachgefragt wird“, berichtete Lars, der etwa für „Spiegel Online“ und „Eulenspiegel“ arbeitet.

„Ich möchte vermitteln, wie der Beruf des Karikaturisten im wahren Leben funktioniert“, sagte der Künstler. Um das Wie zu verdeutlichen, forderte er die Teilnehmer auf, in die Rolle des Redakteurs zu schlüpfen und aus vielen Karikaturen die eine auszuwählen, die am nächsten Tag ins Blatt soll. Danach erklärte er, warum die Entscheidung richtig oder falsch war.

Für die achte Auflage des Workshops haben einige Teilnehmer weite Wege in Kauf genommen. Oliver Ottitsch reiste aus Wien an. Der Cartoonist, der bereits einige Auszeichnungen bekommen und mehrere Bücher veröffentlicht hat, ist zum vierten Mal bei der Sommerakademie dabei. Den 30-Jährigen interessiert vor allem, wie sich die Referenten intellektuell mit dem komischen Fach auseinandersetzen.

Arbeiten unter Zeitdruck

Er selbst beschäftige sich oft mit existenziellen Themen, in denen er die philosophischen Tiefenschichten suche. Humorvoll bleiben könne er dabei, weil er die Erdenexistenz eher als lächerlich begreife. „Die Menschen nehmen sich oft zu wichtig und sind unglaublich eitel“, so Ottitsch. Mit ausreichend Distanz sei Komik möglich.

Für Lukas Kummer hingegen war die Sommerakademie gleich um die Ecke. Der 25-Jährige hat Grafikdesign und Illustration/Comic an der Kunsthochschule Kassel studiert. Nach seiner Abschlussarbeit, einem Comicroman über den Dreißigjährigen Krieg, wollte er sich wieder mehr der Komik zuwenden.

Wichtig ist laut Workshopleiter Ari Plikat, Zeit- und Themendruck im Workshop aufzubauen Es solle schließlich alles so sein wie im Alltag. So gebe es jeden Tag einen neuen Begriff, das sogenannte Tor des Tages, zum Beispiel „Godzilla“, den die Künstler neben allen weiteren Aufgaben zeichnerisch bearbeiten sollten. Sein Kollege Polo zeigte sich beeindruckt von der Stressresistenz: „Ich könnte unter diesen Bedingungen keine einzige Reinzeichnung zustande bringen.“

Die Ergebnisse der Sommerakademie zeigt die Caricatura vom 20. bis zum 29. Juni im Kulturbahnhof, Rainer-Dierichs-Platz 1. Geöffnet: Dienstag bis Freitag 14 bis 20 Uhr, Samstag und Sonntag 12 bis 20 Uhr. www.caricatura.de

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