Bad Hersfelder Festspiele: „Man spielt nicht mit der Liebe“ vereint Klamauk und Tragödie

Zeig es her, das Monster in dir

Unterbrochenes Liebesspiel auf dem Turm über der Bühne: Perdican (Sebastian Graf) benutzt Rosette (Claudia Wiedemer), um seine eigentlich Angebetete eifersüchtig zu machen. Foto: Hartmann

Bad Hersfeld. Menschen verwandeln sich in Monster, wenn Liebe im Spiel ist. Zähnefletschende Ungeheuer, die um sich schlagen, ihren Mund verzerren und brüllen, wenn sie verletzt werden. Und Hexen, die kühl lächelnd mit ihrer nackten Haut locken und dann die Krallen schärfen, um heimtückisch fauchend zurückzuschlagen.

Regisseur Kay Voges hat in der Premiere des Freilichtstücks „Man spielt nicht mit der Liebe“ von Alfred de Musset im Bad Hersfelder Schloss Eichhof vorgeführt, wie bitter der Kampf um Anerkennung ist. Und wie süß es den Zuschauern schmecken kann, diese Lektion mitzunehmen und trotzdem lachend nach Hause zu gehen.

„Man spielt nicht mit der Liebe“ ist keine leichte Komödie, wie es viele im Eichhof gab. Es ist ein schräger Mix, bei dem die Zuschauer so schnell von Klamauk voller Wortwitz („Ich bekomme statt Köhler-Koch-Kohl nur noch Merkel-Ferkel“) in dramatisch-todernste Dialoge geschubst werden, dass sie am Ende beinahe schwindelig zum Eichhof-Tor hinaustaumeln.

Schwindelig auch deshalb, weil Voges die Vorlage Mussets von 1834 mit so vielen Anspielungen spickt, dass sie auf Anhieb gar nicht alle zu Erfassen sind. Die Zitate reichen von Schillers „Glocke“ bis zu „Hell’s Bells“ von ACDC und von Goethes „Faust“ bis hin zu Helge Schneiders „Fitze, Fitze, Fatze“.

Im Mittelpunkt des Verwirrspiels stehen Perdican (Großartig dramatisch: Sebastian Graf) und Camille ( etwas aufgesetzt: Andrea Cleven). Der Sohn eines Barons möchte seine Cousine heiraten, die nach Jahren aus dem Kloster zurückkehrt. Doch sie hat Angst, verletzt zu werden und seufzt: „Ich will lieben. Aber ohne zu leiden. Ich will die ewige Liebe und Schwüre, die man nicht bricht.“ Perdican spottet, flucht und wehrt sich, indem er Rosette (hinreißend: Claudia Wiedemer) verführt, um Camille eifersüchtig zu machen.

Obwohl Randfiguren im Stück, ist es der Hofstaat, der nicht nur für die Lacher sorgt, sondern auch für Entzücken über die schauspielerischen Leistungen. Ob Michael Witte als Baron, der gestikulierend wie Louis de Funès über die Bühne turnt, oder Uwe Schmieder als Meister Bridaine, der die Zuschauer allein durch seine Mimik zum Kichern bringt. Genauso überzeugend komisch: Karsten Kramer als Meister Blasius und Viola Neumann als Madame Pluche in fantasievollen Kostümen von Annelly Kozuschek.

Auch wenn das Ende des Stücks so makaber-ironisch ausfällt, dass manch einer auf den 230 Holzstühlen im Schlossinnenhof zusammengezuckt ist, kommt bei dem zweistündigen Stück nicht eine Minute Langeweile auf. Ein Tanz mit einer Gummipuppe wirkt da eher harmloser als ein Schauspieler, der auf der Bühne selbst die Stückkritik übernimmt: „Dieses Regietheater, buäääh! Der Regisseur hat Diener des Autors zu sein, aber hier wird alles erstickt von Ideechen...“, wettert der Baron. Ungeheuerlich. Und das wurde belohnt: Mit anfeuernden Pfiffen und viel Applaus vom Publikum.

Festspiele bis 8. August, Karten unter 06621-201360.

Von Judith Strecker

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