"Im Schatten des Krieges"

Zeitgeschichte als Comic: Graphic Novel erzählt vom Leben in Krisengebieten

Gezeichnete Zeitgeschichte: In dieser Episode geht es um einen Mann im irakischen Sulaimaniyya, der als politischer Flüchtling lange in den USA gelebt hat, dann aber - vermutlich wegen eines Missverständnisses - im Zusammenhang mit dem 11. September unter Terrorverdacht geriet und von der Einwanderungsbehörde ausgewiesen wurde. Er musste seine Familie zurücklassen.

Wie kann man von Kriegen und Flucht erzählen? Sarah Glidden schlägt einen ungewöhnlichen Weg ein. Sie greift zum Zeichenstift und gestaltet eine Graphic Novel.

„Im Schatten des Krieges“ ist eine gezeichnete Reportage aus dem Kurdengebiet im Irak und aus Syrien. Sie basiert auf wahren Begebenheiten.

Die 36-Jährige aus Seattle arbeitet auf mehreren Erzählebenen. In einer Rahmengeschichte berichtet sie von der Recherchereise in den Nahen Osten. Im Team mit zwei befreundeten amerikanischen Journalisten und einem ehemaligen US-Army-Angehörigen, der selbst im Krieg im Irak im Einsatz war, geht es mit Zug und Taxi tief hinein in die Krisenregion.

Vier junge Leute – sie sind neugierig auf andere Menschen und deren Geschichten. Sie reflektieren ihre Vorurteile über die arabische Welt abends im billigen Hotelzimmer oder im Speisewagen des Zuges, und sind zwar wagemutig, aber nicht leichtsinnig dabei, die Orte und Protagonisten ihrer Recherche zu finden.

Metaebene über den Journalismus

Glidden lässt ihre gezeichnete Reportage schon ganz früh beginnen, bei der Planung der Reise. Sie zieht damit eine Metaebene im Buch ein, auf der sie über den Journalismus berichtet.

Wie kann man Aufmerksamkeit für Themen und Geschichten wecken? Wann interessieren sich Medien für geopolitische Reportagen und wie müssen die aufbereitet sein, wann ist es klüger, das große Ganze am Beispiel eines persönlichen Schicksals aufzuziehen? Wie stellt man die Interviewpartner zusammen, damit sich in dem fertigen Video- und Weblog-Beitrag ein ausgewogenes Bild ergibt?

Dass der US-Kriegsteilnehmer Dan zur Reisegesellschaft gehört, bindet die Geschichten eng an die westliche Leserschaft. Er und seine Begleiter diskutieren unterwegs auch die Rolle der USA und des Westens sowohl beim militärischen als auch beim humanitären Engagement in der Region und beim Umgang mit Flüchtlingen zuhause.

Bisweilen hat Sarah Glidden so viel zu sagen, dass die Panels mit Text etwas überfrachtet sind. Der klare, skizzenhafte Zeichenstil vermittelt dennoch einen guten Eindruck von der Situation in den besuchten Ländern, vom Leben der Menschen dort und von den Abenteuern der amerikanischen Journalisten-Crew. Rückblenden, die historische Zusammenhänge erklären, sind im Auqarell-Stil gezeichnet und heben sich optisch ab.

Sarah Glidden: „Im Schatten des Krieges, Reprodukt, 300 Seiten, 29 Euro. Wertung: Vier von fünf Sternen:

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