Mit Jazz, Swing und Pop erobert der Niederländer Deutschland

Zeitreise mit Hamel

Zu Gast in Kassel: Wouter Hamel spielt am 15. Juli auch im Kulturzelt. Foto: Universal

Hamel.“ „Wer?“ „ Na, Hamel - der Jamie Cullum aus Holland.“ „Ah ja.“ So oder so ähnlic h überreichte mir ein Kollege das Album von Wouter Hamel. „Schreib was drüber, wenn du magst.“ Ich mag. Sehr sogar.

Wouter Hamel ist in den Niederlanden, Korea und Japan schon längst ein gefragter Musiker, wird häufig mit dem englischen Jazzpianisten und Sänger Jamie Cullum verglichen. Bereits sein erstes Album erreichte in Holland Platin-Status, das zweite stieg auf Platz fünf in die niederländischen Charts ein.

In Deutschland ist jetzt Hamels erste internationale Platte „Nobody’s Tune“ erschienen, eine Kombination aus seinen ersten beiden Alben. Endlich.

Der gebürtige Den Haager zieht mit seinen Eltern im Alter von zwölf Jahren aufs Land, in die Einöde. „In ein Dorf am Ende der Welt“, wie er selbst sagt. Hamel flüchtet sich in die Musik, spielt Gitarre, träumt von New York.

Nach einem abgebrochenen Journalismus-Studium lernt er das musikalische Handwerk am Konservatorium in Utrecht, arbeitet intensiv an seiner Stimme.

Als seine Lehrer aber beginnen, in ihm einen zweiten Sinatra zu sehen, wehrt er sich.

„Die holten mehr aus meiner Stimme raus, als ich dachte – aber ich wollte kein neuer Sinatra werden. Deshalb fing ich an, meinen eigenen Stil zu suchen“, heißt es in seiner Pressemappe.

Seine musikalischen Vorbilder Tom Waits, Jeff Buckley, PJ Harvey hinterlassen unverkennbare Klang-Spuren in Hamels Stücken, die allesamt auch kleine Geschichten erzählen.

„Don’t ask“, das erste Stück der Platte, zum Beispiel beschreibt mit einer musikalischen Leichtigkeit, die an Michael Bublé erinnert, die Affäre Bill Clinton und Monica Lewinsky. „Ich singe über eine der unmöglichsten Beziehungen, die es jemals gab.“

In der Ballade „Amsterdam“ verarbeitet er den Tod des Musikers Jeff Buckley, der 30-jährig und mit Alkohol im Blut in einem Fluss bei Memphis in den USA ertrank.

Hamel lädt auf seinem Album zu einer musikalischen und epischen Zeitreise ein. Da sind Jazz, Swing, Pop, Latin, Klezmer. Da sind Ernsthaftigkeit, Einsamkeit, Lust, Liebe, Zweifel.

Das Album vereint vielfältigste Stilrichtungen und Stimmungen, ohne seine klare Linie zu opfern: Eingängige Melodien, regelrechte Ohrwürmer, tiefgründige Texte. „Nobody’s Tune“ läutet mit leisen, unaufdringlichen, aber eindringlichen Tönen den Sommer ein.

Also: Don’t ask. Nicht fragen. Hören.

Hamel: Nobody’s Tune (Decca / Universal).

Wertung: !!!!:

Hamel tritt am 15. Juli beim Doppelkonzert mit der belgischen Sängerin Selah Sue im Kasseler Kulturzelt auf. Tickets beim HNA-Kartenservice, 0561/203-204.

Von Belinda Helm

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