Der deutsche Oscar-Kandidat „Zwei Leben“ mit Juliane Köhler

Neu im Kino: Zerbrechen an einer Lüge

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Muss ihre wahre Identität vertuschen: Katrine (Juliane Köhler) schlüpft auf dem Flughafenklo in eine Verkleidung.

"Der Kalte Krieg ist vorbei", steht 1990 auf einer Zeitung, die Katrine (Juliane Köhler) im norwegischen Bergen kauft. Doch das ist nicht für alle eine Befreiung, zeigt Georg Maas in seinem politisch-psychologischen Thriller „Zwei Leben“.

Denn Auswirkungen des Ost-West-Konflikts und Spuren zweier deutscher Diktaturen sind weiterhin wirksam. Und verheeren so manches Leben, zerstören so manche Familie.

Basierend auf einer wahren Geschichte handelt der Film von einem deutsch-norwegisches Kriegsbaby, das von den Nazis zur Wahrung des Ariertums in ein Lebensborn-Heim verschleppt worden war. Jahre später sucht die junge Frau ihre Mutter und flieht dafür aus der DDR.

Es geht um gefälschte Identitäten von Stasi-Agenten, die im Ausland eingesetzt sind. Und um eine Frau, die sich von ihrer Vergangenheit lossagen und endlich mit Mutter, Mann, Tochter und Enkelchen ein normales Leben im geschützten Heim führen will. Und das nicht kann.

Katrine freut sich kein bisschen über die Nachricht vom Mauerfall. Unverzüglich reist sie aus Norwegen nach Ostdeutschland. Auf dem Flughafenklo verwandelt sie sich mit Langhaarperücke und Wallemantel in eine andere Person. Sie will Kinderheimakten des Lebensborn-Projekts manipulieren, um ihre wahre Identität zu vertuschen. Was tut sie da? Warum weiht sie den Mann, den sie liebt, nicht in ihr Vorgehen ein? Wer sind ihre dubiosen Kontaktpersonen?

Schritt für Schritt enthüllt der Film die wahre Geschichte von Katrine. Immer wieder neue Wendungen ergeben sich, immer deutlicher wird der innere Konflikt, der diese todtraurige Frau kaputt macht.

Es ist Juliane Köhlers Verdienst, dass die emotionale Dichte in diesem deutschen Oscar-Bewerber so hoch ist. Mit großer Genauigkeit tariert sie die Gefühlslage ihrer Figur aus. Katrine ist zugleich Opfer und Täterin. Sie will sich von dem ehrgeizigen jungen Anwalt (Ken Duken) bei einer gut gemeinten Anhörung über Kriegsschicksale nicht in die Enge treiben lassen. Sie kann die Schuld, die sie vor Jahren auf sich geladen hat, aber auch nicht ungeschehen machen. Ebenso wenig wie den Verrat, den sie durch das lebenslange Lügen ihrer Familie gegenüber begeht.

Das Drehbuch wirkt an vielen Stellen reichlich überkonstruiert und unübersichtlich. Das gilt auch für die grobkörnig gefilmten Rückblenden.

Zur hochkarätigen Darstellerriege gehören neben Köhler noch Rainer Bock als Stasi-Vorgesetzter und die wunderbare Liv Ullmann als Katrines Mutter Åse, die allerdings vom Drehbuch nur eine Aufgabe zugewiesen bekommt: verzweifelt zu schauen.

Genre: Thriller

Altersfreigabe: ab 12

Wertung: Drei von fünf Sternen

www.hna.de/kino

Von Bettina Fraschke

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