Theaterwahn-Festival mit Bohnice Theatre Company aus Prag

Ein zerbrechlicher Traum

Fragmente aus Szenen des Alltags: die Bohnice Theatre Company. Foto:  Socher

Kassel. Poetisch und luzid, surreal und bizarr: Besser konnte der Auftakt zum Theaterwahn-Festival in Kassel nicht sein. Schließlich zeigte die aus Prag angereiste Bohnice Theatre Company im Dock 4 gerade dies, den Spagat zwischen Kultur und Psychiatrie, das Verwischen der Grenzen zwischen ver-rückt und normal sein in einem Bilderbogen voll tänzerischer und skulpturaler Schönheit.

Ein Spiel der Wirklichkeiten und des Irrealen: Auf dem Boden schlafende Personen, hingebettet und sich zugleich gegenseitig schützend, schälen sich aus der Geborgenheit wie aus einem Blumenbeet. Der Auftakt ist gemacht: Mit Videoeinspielungen, die das Spiel der Doppelungen betreiben, und mit einer fein gemixten Musikauswahl stellen die Spieler in Impressionen und Fragmenten Szenen des Alltags nach, die in einen Traum hinüberschweben: Menschen herumirrend in der Waren-Wunderwelt eines Kaufhauses, verloren im Warteraum der Zukunft, mäandernd in ihrer eigenen Vergangenheit, befangen in alten Kinderspielen. In jeder dieser Facetten gelingt es den Spielern, den zerbrechlichen Traum des Lebens transparent zu machen, manchmal wie in einer Tanztheaterperformance.

Dass die Texte, mal tschechisch, mal englisch und französisch, und zuweilen gebrochen deutsch, nicht immer zu verstehen waren, störte den Genuss dieses Auftakt-Gastspiels für das Theaterwahn-Festival nicht im Mindesten. Die wahren Abenteuer sind im Kopf, dies hatte das begeistert applaudierende Publikum längst verstanden.

Dienstag, 16 Uhr, Halle Dock 4: Don Q, Theater Chaosium.

Von Juliane Sattler

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