Hellmut Hattler ließ es mit seiner vorzüglichen Band im Kulturzentrum Schlachthof krachen

Zeremonienmeister am Bass

Experten für gute Stimmung: Torsten de Winkel (von links), Oli Rubow, Fola Dada und Helmut Hattler beim Besuch in Kassel. Foto: Herzog

KASSEL. Der Fallschirmspringer in der Videoprojektion ist ein gutes Sinnbild für das Gefühl am Beginn des Hattler-Konzerts: Dicht beieinander stehend hört man im rappelvollen Kulturzentrum Schlachthof einen dichten, groovenden Sound und sieht hinter den Musikern schnell wechselnde Visuals. Das sprichwörtliche Sich-fallen- Lassen ist die beste Reaktion auf die Fülle an Eindrücken.

Jung wie eh und je gibt sich der 59-jährige Bass-Star Hellmut Hattler, der trotz des lapidaren Bandnamens „Hattler“ bei Clubsounds und tanzbarem Nujazz keine Ein-Mann-Schau liefert. Lauter Hochkaräter sind seine Partner in dem begeistert aufgenommenen Konzert. Gitarrist Torsten de Winkel kann fabelhaft durch vertrackte Skalen rasen und greift zwischendurch zur E-Sitar. Oli Rubow (Drums, Electronics) hüllt die „digitale Irrsinnigkeit in ein menschliches Gewand“, wie Hattler formuliert. Und Sängerin Fola Dada fasziniert unaufdringlich mit toller Soulstimme.

In ihrer klugen Konzertdramaturgie verzichtet die Band für einige Stücke auch mal auf die Elektronik, sodass Hattlers Plektron-Technik ganz transparent werden kann. Schon phänomenal, wie er schnelle Tonblitze in den Saal schleudert.

Ein Song, mit dem sich Hattler politisch weit aus dem Fenster lehnt, fehlt nicht im Programm: „Assalamu Alaikum“ handelt vom Konflikt zwischen Palästinensern und Israelis.

Das Video zeigt kurz eine Mauer mit der Aufschrift: „This wall is a shame on the Jewish people, on my people.“ Ob Popmusik geeignet ist, den diffizilen Nahostkonflikt zu thematisieren, kann bezweifelt werden. Im Internet wird der Song jedenfalls höchst kontrovers diskutiert.

Von Georg Pepl

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