Neu im Kino: „The Avengers“ vereint die Superhelden aus dem Marvel-Universum

Zickige Muskelmänner

Finaler Kampf: Thor (Chris Hemsworth, links) und Captain America (Chris Evans). Foto:  dapd

Dass Stuttgarter Bürger wie eine Lämmerherde vor einem Germanengott in die Knie gehen, ist ein köstlicher Handlungsschlenker im Superhelden-Film „The Avengers“, in dem der legendäre Comic-Verlag Marvel die Helden aus seinen Comic-Heften und -Filmen die Welt retten lässt. Auf der Königsstraße - die natürlich nahe dem umkämpften Hauptbahnhof liegt - bringt Bösewicht Loki mit dem Zauberzepter die Schwaben dazu, vor ihm die Knie zu beugen. Er bleut ihnen ein, dass Freiheit den Menschen nicht zuträglich ist.

Regisseur Joss Whedon gibt alles, um sein 260-Millionen- Dollar-Budget großkalibrig und effektvoll auf die Leinwand zu spektakeln - und das gelingt. Auch wenn die finale Kampfszene, bei der Manhattan in Schutt und Asche gelegt wird, gern eine Viertelstunde kürzer hätte ausfallen können. Das Getöse und Geballere zieht sich ziemlich in die Länge. Die Grundkonstellation, optische Gimmicks, ironische Popkultur-Reverenzen und die Darsteller machen den Film aber zum Vergnügen in bester Comic-Tradition.

Denn es ist natürlich eine dankbare Ausgangslage, wenn es darum geht, ein Klassentreffen von Superhelden zu organisieren, die ihre XL-Egos zähmen müssen, um gegen diesen Loki (Tom Hiddleston) vorzugehen. Der ist im Besitz des geheimnisvollen Tesseracts, einer Mega-Energiequelle für den Planeten, gegen die Atomkraft und Windenergie Kinderspielzeuge sind.

Auf einem Flugzeugträger treffen also der Iron Man (Robert Downey Jr.), die Black Widow (Scarlett Johansson), Thor (Chris Hemsworth), Captain America (Chris Evans) und der Hulk (Mark Ruffalo) aufeinander, und damit in Sachen Weltrettung irgendwas vorangeht, muss der Chef dieser „Avengers“, Fury (Samuel L. Jackson), die muskelbepackte Zickentruppe erstmal einnorden.

Die Momente der Action-Verzögerung, wenn etwa der vorgestrige und durchaus als naiv dargestellte Captain America seine Kompetenz im Kampf gegen einen extra-galaktischen Aggressor damit begründet, dass er einst „Der Zauberer von Oz“ gelesen hat, wenn der Iron Man unter der Rüstung ausgerechnet ein T-Shirt der Metal-Band Black Sabbath trägt, und wenn Mark Ruffalo so wundervoll drucksig daherkommt, bevor seine Figur Bruce Banner wütend wird und sich in den grünen Hulk verwandelt. Das ist alles witzig, selbstironisch und mit Liebe zum Detail gemacht.

Die eigentliche (und recht dünne) Handlung ist hier nachrangig. Was zählt, sind die Gestaltung der klassischen Comic-Elemente, zu denen das absurd-ausgereizte Technik-Sprech („Bereiten Sie die Modulation vor“) und die Mega-Maschinen gehören, die optisch überwältigend die Leinwand beherrschen. Hier sind es metallisch-gepanzerte Riesen-Flugechsen aus dem All.

Da bietet Marvel viel Vergnügen und knüpft an seine jahrzehntealte große Comictradition an. Das aktuelle „Avengers“-Abenteuer war schon mit vielen Hinweisen in früheren Marvel-Filmen vorbereitet worden - so ergeben die Filme heute einen großen Zusammenhang, einen eigenen Kosmos, den früher die Comic-Hefte bildeten.

Genre: Action

Altersfreigabe: ab 6

Wertung: !!!!:

www.hna.de/kino

Von Bettina Fraschke

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