Neu im Kino: Sandrine Bonnaire setzt in „Die Schachspielerin“ all diejenigen matt, die sie unterschätzen

Ein Zimmermädchen ist am Zug

Die Dame ist die stärkste Figur: Hélène (Sandrine Bonnaire) hat es auf das Schachturnier geschafft. Foto: Verleih/nh

Die Tischdecke im Restaurant ist zwar gestreift und nicht kariert, aber Hélène (Sandrine Bonnaire) sieht in ihr dennoch ein Schachbrett. Aus den Baguetteresten hat sie Figuren geformt, die sie unauffällig hin- und herschiebt. Vollkommen vertieft in den eigenen Monolog pickt ihr Ehemann Ange (Francis Renaud) die Brotstückchen auf und schiebt sie in den Mund.

Ratlos blickt er in das entsetzte Gesicht seiner Frau. Er hat keine Ahnung, dass er gerade die Dame verschluckt hat. Und die Dame - das ist ein Mantra, das in Caroline Bottaros „Die Schachspielerin“ mehrfach wiederholt wird – ist beim Schach die stärkste Figur. Denn genau darum soll es gehen: um die Stärke einer scheinbar unscheinbaren Frauenfigur.

Hélène arbeitet in einem Hotel auf Korsika als Zimmermädchen, ihr Mann auf einer kleinen, kriselnden Werft. Das Geld reicht gerade so. Wenn die 15-jährige Tochter zum Praktikum nach England gehen will, müssen die Eltern den Gürtel enger schnallen.

Als sie im Hotelzimmer durch den Vorhang hindurch ein junges, verliebtes Paar beim Schachspiel auf der Terrasse beobachtet, lässt sie der Gedanke an das Spiel nicht mehr los. Am elektronischen Schachbrett sitzt sie nachts in der Küche und erlernt das komplexe Spiel. Schließlich nimmt sie sogar bei dem garstigen Witwer Dr. Kröger (Kevin Kline) Unterricht, bei dem sie einmal die Woche als Haushälterin arbeitet.

Dem Ehemann bleibt die Leidenschaft für das Spiel fremd, und im Dorf tuschelt man schon über Hélènes Verhältnis zu dem eigenbrötlerischen Kröger. Eingebettet in die wunderschöne Landschaft Korsikas setzt Caroline Bottaro nach dem Roman von Bertina Henrichs ihren emanzipatorischen Wohlfühlfilm in Szene - kein feministisches Pamphlet, sondern ein supersanftes Frauenporträt.

Sandrine Bonnaire ist sicherlich die ideale Besetzung, um die zurückhaltende Putzfrau zu spielen, die mit der Schachleidenschaft auch sich selbst neu entdeckt.

Aber selbst sie kann trotz ihres beträchtlichen nonverbalen Spielvermögens die Leerstellen des betulichen Drehbuch nicht überbrücken, das sämtliche Konflikte kurz nach ihrem Auftreten schon wieder wegharmonisiert.

Auch die Leidenschaft für das Schachspiel wirkt eher behauptet, weil sich der Film - im Gegensatz zu seiner Hauptfigur - gar nicht wirklich auf das Spiel einlässt. Das Ganze ist dank Sandrine Bonnaire und Korsika ganz hübsch anzusehen, aber auf Dauer trotz der kompakten 97 Filmminuten ein bisschen fade.

Genre: Drama

ohne Altersbeschränkung

Wertung: !!!::

www.hna.de/kino

Von Martin Schwickert

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.