Neu im Kino: „True Grit“ von Joel und Ethan Coen ist opulente Western-Unterhaltung

Zöpfe unterm Stetson

Nacht in der Prärie: Mattie (Hailee Steinfeld) und LaBoeuf (Matt Damon). Foto:  Universal

Als Mattie Ross das Büro des Pferdehändlers verlässt, weiß der honorige Kaufmann nicht mehr, wo ihm der Kopf steht. Das Mädchen hat dermaßen hart mit ihm gefeilscht, dass seine Kasse nun deutlich leerer ist als erwartet. Wer hätte das gedacht, schließlich ist die Kleine erst 14 und hat gerade ihren Vater durch einen heimtückischen Mord verloren.

Als sie 1872 nach Ford Smith, Arkansas, kommt, hat niemand das Mädchen auf der Rechnung. Der Sheriff rät ihr gar, heimzufahren, als sie ihn um Hilfe bittet bei der Jagd nach dem Mörder. Doch Mattie hat „True Grit“, den echten Schneid des Filmtitels, und schon in der Pferdehändlerszene haben die Coen-Brüder, die den Western nach einem Roman von Charles Portis neu verfilmt haben, keinen Zweifel daran gelassen.

Wie Mattie mit ihren Mädchenzöpfen unterm Stetson dann den versoffenen Marshal Rooster Cogburn engagiert, mit ihr ins Indianerland zu reiten, um den flüchtigen Tom Chaney (Josh Brolin) aufzustöbern, ist ein klassisch erzählter Western, mit ein paar Coen-typischen Widerhaken.

Jeff Bridges ist so ein Widerhaken. Er spielt den Marshal, die berühmte Rolle, die John Wayne im Vorgängerfilm von 1969 einst einen Oscar eingebracht hat. Bridges trägt die Augenklappe auf dem anderen Auge, und stellt Westernklischees wunderbar souverän in Frage. Er ist zwar ein cooler Haudegen, der die Toten kaum noch zählen kann, die er bei der sogenannten Arbeit als Bundesbeamter zu verantworten hat, aber ein Held ist dieser Cogburn kaum. Zu abgehalftert, zu betrunken.

Mattie will genau ihn, und so reitet das ungleiche Paar in die winterliche Prärie, begleitet von einem denkbar gegensätzlichen Typen: Texas Ranger LaBoeuf (Matt Damon) ist ein Westerner wie auf der Kirmes. Lederfransenhemd, christbaumschmuckgroße Sporen, selbstgefällig und stolz wie Oskar, dass er Maiskuchen aus der Luft schießen kann.

Die Schießkünste retten Mattie und Cogburn später durchaus aus kniffliger Lage. Davon gibt es viele, wenn sie etwa in einen Hinterhalt geraten oder der finstere Lucky Ned Mattie als Geisel nimmt.

Ethan und Joel Coen pflegen ihren typischen Stil: Wortwitz, opulente Bilder, viel Gewalt, extreme Einstellungswechsel zwischen Totalen und Details. Typisch ist allerdings auch ihre Heltung, des Geschichten-Erzählens um des Geschichten-Erzählens-Willen. Was den Film zwar perfekt sein lässt, aber auch ein bisschen hermetisch und kalt.

Unverständlich bleibt, warum die großartige Hailee Steinfeld für ihr Leinwanddebüt als Mattienur für einen Oscar als Nebendarstellerin nominiert ist. Sie spielt schließlich die zentrale Figur des Films. Insgesamt kann „True Grit“ am Sonntag auf zehn Academy Awards hoffen.

Genre: Western

Altersfreigabe: ab 12

Wertung: !!!!:

www.hna.de/kino

Von Bettina Fraschke

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