Zoffen nach Herzenslust: Musical-Premiere von „Kiss me, Kate“ in Bad Hersfeld

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Vor einem Modell der Stiftsruine auf der Bühne der Stiftsruine: Thomas Borchert als Petruchio (Mitte) mit Ensemble.

Bad Hersfeld. „Wie sind wir verkauft?“, fragt der Theaterproduzent seinen Inspizienten vor der Premiere. „Na ja ... Bad Hersfeld“, sagt der. Und man ist sich einig: „Die Hälfte Freikarten, die andere Hälfte ist eingeladen.“

Stefan Huber baut in seine Inszenierung des Musicalklassikers „Kiss me, Kate“ bei den Bad Hersfelder Festspiele so einige aktuelle Bezüge zum Streit um die Festspiele und zur Aufführungssituation auf der Bühne der Stiftsruine ein. Die Premiere am Mittwochabend wurde von den etwa 1100 Besuchern mit begeisterten Ovationen aufgenommen.

Szenenapplaus gab es für Hits wie „Premierenfieber“, „Viel zu heiß“ und „Schlag nach bei Shakespeare“. Hochklassige Sänger, spektakuläre Tanzszenen und ein großes klangliches Farbenspektrum des Festivalorchesters unter Leitung von Christoph Wohlleben überzeugten.

Das Stück von Cole Porter aus dem Jahr 1948 lebt von Doppelungen: Eine Theatergruppe führt darin William Shakespeares Komödie „Der Widerspenstigen Zähmung“ auf – gezeigt wird sowohl das Geschehen auf der Bühne, als auch das dahinter, wo sich die Konflikte wiederholen: Diese Spiegelungen führt Stephan Prattes in seinem Bühnenbild optisch weiter, in dem er auf die Bühne der Stiftsruine ein Modell der Stiftsruine stellt, in dem das Stück-im-Stück spielt. Ein schöner optischer Effekt.

Vielseitig: Katharine Mehrling als Lilli.

Die Ehe von Theaterproduzent Fred Graham (Thomas Borchert) und Schauspielerin Lilli Vanessi (Katharine Mehrling) ist geschieden – die Anziehung zwischen ihnen aber nicht vorbei. In der Garderobe erinnern sie sich erst wehmütig an romantische Zeiten, wenn sie dann bei der Aufführung Shakespeares Figuren Petruchio und Kate spielen, zoffen sie sich bis zur Prügelei. Doch wenn Petruchio und Kate sich schließlich kriegen, haben auch Fred und Lilli kapiert, dass sie zusammengehören.

Musicalstar Katharine Mehrling bot die herausragende Gesangsleistung des Abends. Charismatisch, mal mit funkelnd-scharfer, mal mit zärtlich-nachdenklicher Stimme bangte, litt und wütete sie. Ihre umwerfende Bühnenpräsenz kam besonders bei der Hass-Hymne „Nur kein Mann“ zur Geltung, wo sie als Kate mit knallroter Wuschelperücke vom Leder zog. Der gesanglich tolle Thomas Borchert brachte darstellerisch weniger Facetten ins Spiel, bewegte aber zum Beispiel, als er Lilli mit Hartnäckigkeit von ihrem Verlobten wegbringen wollte.

Als zweites Liebespaar Lois und Bill boten die Nachwuchsstars Marie-Anjes Lumpp und Sascha Luder vielversprechende Darbietungen – Lumpp mit zuckersüßer Verführungskraft in „Aber treu bin ich nur dir, Schatz“, Luder mit dem witzigen Liebeslied „Bianca“ und einer sexy-akrobatischen Stepp-Einlage. Überhaupt: Die Choreografien von Melissa King. Großes Kino. Abwechslungsreich und bis in die Details präzise gearbeitet, reichte das Stilspektrum von Anspielungen an höfischen Renaissance-Tanz bis zu akrobatischen Sprüngen und Hebefiguren.

Die Kombination von Backstage- und Bühnensituationen, wo mal Alltagslook mit Kapuzenpullis und Wadenwärmern, und mal dicke Halskrausen im Stil der Commedia dell’ Arte getragen wurden (Kostüme: Susanne Hubrich, Andrea Wagner) sorgte für Augenfutter.

Wieder am 19., 21., 24., 26.6., Kartentelefon: 06621-6400200.

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