Die turbulente und witzige Wecheljahre-Revue „Heiße Zeiten“ in der Komödie

Zombie-Tanz der Hormone

Hängen auf dem Flughafen fest: Barbara Köhler (v. links), Petra Gundlach, Susanne-Elisabeth Walbaum und Tanja Bahmani. Foto:  Herzog

Kassel. Das hätten Flughafenfahnder sicher gern: Wenn die vier Ladys in der Revue „Heiße Zeiten“ ganz zu Beginn durch die Kontrollschranke treten, wird prompt auf der großen Anzeigetafel aufgeführt, in welchem Beziehungsstatus jede ist. „Hatte gestern Nacht Sex“ heißt es bei der coolen Businessfrau im Hosenanzug (Barbara Köhler).

„Kann sich an ihren letzten Sex nicht erinnern“ bei der Hausfrau (Tanja Bahmani), die zum ersten Mal auf große Fahrt geht - ohne ihren langweiligen Gatten, dem sie daheim die Nudelsoße vorgekocht hat. „Reich verheiratet“ ist der Status der Chanelkostüm-tragenden Luxusdame (Susanne-Elisabeth Walbaum). „Hat Sex nach Ovulationskalender“ steht bei der 42-jährigen Jeansträgerin mit dringendem Babywunsch (Petra Gundlach), die schon beim Aussprechen des Wortes Kind hysterische Heulkrämpfe bekommt.

Die vier Damen in den besten Jahren wollen nach New York und hängen in der Wartelounge des Flughafens fest. Ausgangslage für zwei turbulente, Spaß machende und witzige Musicalstunden, die bei der Premiere am Donnerstagabend in der ausverkauften Komödie mit Zugaberufen aufgenommen worden sind.

Witzige Einfälle sind die allwissende Durchsagestimme, die aus dem Off die Wartenden mit Lebenstipps und Werbespot-Blabla berieselt, und die Anzeigetafel, die SMS-Texte präsentiert (Bühne: Knut Schakinnis, Kostüme: Christin Bokelmann).

Geschickt hangeln sich Autor Tilmann von Blomberg und Regisseur Karsten Engelhardt durch feminine Notlagen der Wechseljahrezeit - von Gewichtszunahme bis Harndrang -, und lassen das Quartett Lebensthemen zwischen Eltern im Altenheim und Lustflaute im Ehebett erörtern. Das ist angenehm selbstironisch - mit ernstem Unterton. Ausflüge in ordinäre Untiefen halten sich in Grenzen, der Wiedererkennungseffekt beim begeistertem Publikum ist groß - etwa wenn die Hausfrau von Hitzewallungen im Supermarkt singt, wo sie sich kaum vom Kühlregal wegbewegen mag.

Verarbeitet werden Popsongs mit umgedichteten deutschen Texten von Police bis Bee Gees, Tina Turner bis Flashdance. Solistisch gibt es vereinzelte Stimmschwächen und auch Liedtextquatsch („Ich bin allein hinterm Weltenschein“), aber die Power der musicalerprobten Darstellerinnen steckt an.

Höhepunkte sind Christina Aguileras laszives „Lady Marmelade“, wo die vier eine Go-go-Girl-Choreografie hinlegen und die Aufforderung an den Liebhaber lautet: „Aktivier’ den Zauberstab“. Und Michael Jacksons „Thriller“ zum Thema Schönheitsoperation: „Die ganze Haute volée passt nach dem Messer besser ins Kleid“ - hier gibt es sogar einen veritablen Zombietanz.

Zahlreiche Termine bis in den März, Kartentelefon: 0561-18383.

Von Bettina Fraschke

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