Der Kasseler Regisseur Ralf Kemper und sein Trashfilm „Toxic Lullaby“

Zombies im Heimatfilm

Regisseur Ralf Kemper Foto: Archiv

Kassel. Trashfilm ist anders: Während Hollywood mit der Goldenen Himbeere die miserabelsten filmischen Leistungen des Jahres auszeichnet, haben diese unter Trash-Kriterien die besten Oscar-Ambitionen. Schwachsinnige Handlung, unterirdische Schauspieler- und Regiearbeit sowie eine stümperhafter Kamera- und Tontechnik sind die klassischen „Qualitätskriterien“ dieser billigen Film-Produktionsform, die sich mittlerweile zu einer eigenen Kunstform entwickelt hat.

Ralf Kempers neues Werk „Toxic Lullaby“ ist ein solcher Trashfilm - wenn auch kein besonders entschiedener. Denn der Film des Kasseler Regisseurs hat über weite Strecken seiner 92 Minuten durchaus Sinn. Zudem wurde er mit vergleichsweise professioneller Technik sowie einem erstaunlichen personellen Aufwand (gut 100 Statisten) produziert. Für alle Kasseler ist „Toxic Lullaby“ wegen der regionalen Kulissen auch ein Heimatfilm.

Der Zuschauer begleitet darin die Protagonistin Eloise (Samantha Richter), die gleich zu Beginn unsanft aus ihrem beinah idyllischen Drogenrausch gerissen wird. Sie findet sich schlagartig und völlig desorientiert in einer gottlosen Welt wieder. Einige wenige Menschen kämpfen auf dem unwirtlich gewordenen Planeten Erde gegen die Lieblingsspezies der Trash-Filmer: blutrünstige Zombies.

Während sich Blut und Eingeweide vor der Kamera abwechseln, schließt sich Eloise einer Untergrundgruppe an, die im alten Straßenbahn-Schacht unter dem Kasseler Kulturbahnhof lebt.

Der Film rüttelt an den Festen des Trash-Films, denn er erklärt die Dinge, liefert Botschaften und eine Moral. Ein schlechter Trash-Film ist „Toxic Lullaby“ deshalb aber keinesfalls. Denn Trash zeichnete sich immer auch dadurch aus, dass er vom zu Erwartenden abwich - in dem Fall das absolut Unsinnige.

„Toxic Lullaby“ läuft bis Mittwoch im Cineplex Capitol.

Von Bastian Ludwig

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