Warum der Streit um die Mittelrheinbrücke mit der Unesco-Entscheidung noch lange nicht zu Ende ist

Wie an der Zonengrenze

Einmalige Kulturlandschaft: Blick auf die Loreley (oben Bildmitte) und das Rheintal bei St. Goar, wo 2018 die umstrittene Brücke (unten der Siegerentwurf) eröffnet werden könnte. Fotos: dpa

Glaubt man der rheinland-pfälzischen Landesregierung, hat in der vergangenen Woche eine bessere Zukunft für das Obere Mittelrheintal begonnen. Mit Euphorie reagierten die Befürworter der Mittelrheinbrücke auf die Genehmigung durch die Welterbekommission der Unesco in Brasilia. Dagegen warnen Kritiker vor einem „monströsen Verkehrsbauwerk an einer der empfindlichsten Stellen der Kulturlandschaft zwischen Bingen und Koblenz“ („Süddeutsche Zeitung“). Wir beantworten Fragen zu einem Streit, der weitergehen wird.

?Was macht das Obere Mittelrheintal so besonders?

!Das wusste schon Heinrich von Kleist, als er 1803 vom „schönsten Landstrich Deutschlands“ schwärmte. In tiefen Schluchten schlängelt sich der Strom an Burgen und Weinbergen sowie an Taunus und Westerwald im Osten und Hunsrück und Eifel im Westen vorbei. Natur und Kultur verbinden sich in dem seit 2002 zum Welterbe zählenden Tal auf einzigartige Weise.

?Wieso soll dort überhaupt eine Brücke gebaut werden?

!Weil auf 85 km Länge zwischen Mainz und Koblenz keine Brücke über den Fluss führt - das gibt es an keiner anderen Stelle des Rheins. Laut Hans-Jürgen Podzun von der IHK Koblenz ist das für Firmen eine „Wachstumsbarriere“. Brückenverfechter wie Thomas Höfer vom Verein „Brücken verbinden“ sprechen in der „Rhein-Zeitung“ von einer Trennung wie früher an der Zonengrenze. Angeblich sind 60 Prozent der Bewohner für die Brücke.

?Was sagen die Gegner zur Unesco-Empfehlung?

!Für den internationalen Rat für Denkmalpflege (Icomos) passt die geplante Brücke am sagenumwobenen Schieferfelsen Loreley bei St. Goar nicht zum Geist der Kulturlandschaft. Außerdem befürchten die Brückengegner noch mehr Verkehrslärm in einem Tal, in dem es schon jetzt niemals leise ist, sowie das Sterben der Rheinfähren. Der grüne Bundestagsabgeordnete Josef Winkler (Bad Ems) hat angekündigt, den geplanten Bau mit allen politischen und rechtlichen Mitteln zu bekämpfen.

?Könnte sich die Unesco-Entscheidung auf andere Welterbestätten auswirken?

!Ja, nachdem die Unesco zuletzt dem Dresdner Elbtal wegen des Baus der Waldschlösschenbrücke den Welterbetitel aberkannte, glauben Beobachter, dass das Komitee diesmal milde gestimmt war gegenüber einem deutschen Brückenprojekt. Das könnte zum Nachteil für Regensburg werden. Die Welterbestadt lässt die Steinerne Brücke für 20 Millionen Euro sanieren. Eine Ersatzbrücke soll erst gebaut werden, wenn die Unesco grünes Licht gibt. Die hat die Entscheidung nun auf 2011 vertagt. Die Mittelrheinbrücke indes könnte 2018 fertig sein - vielleicht aber auch niemals. (mit dpa)

Von Matthias Lohr

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