Zores uff de Gass: Gerd Knebel im Theaterstübchen

Frech, verrückt und durchaus charmant: Gerd Knebel im Theaterstübchen. Foto: Zgoll

Kassel. „Was will ich mit 50 000 Facebook-Freunden? Wenn ich poste, dass mir ein Einbrecher die Wohnung ausräumt, drücken die alle auf ,Gefällt mir‘.“ Gerd Knebel hat sich in seinem Programm „Wörld of Drecksäck“ auf die Suche nach unliebsamen Mitmenschen begeben und ist natürlich fündig geworden.

Sein Vortragstempo, der Umfang seiner No-Go-Liste und seine dialektischen Sprinterqualitäten würden dem auf Zeitlupe trainierten Comedy-Kollegen Rüdiger Hoffmann für zehn Programme reichen. Im voll besetzten Theaterstübchen hobelte der rustikale Frankfurter zwischenmenschliche Späne der nervigen Art und begeisterte mit einer ungebremsten Mundartorgie das altersmäßig ambivalent durchsetzte Publikum.

Dumm Sau, Fress und Bobbes kamen verbal des Öfteren zum Einsatz, seine Tipps zum Umgang mit den „Lumbeseckel“ waren weit entfernt von realistischer Lebenshilfe. Die böse kleine Drecksack-Oma, die die Mitarbeiterin des Callcenters während eines Telefonats mit der Trillerpfeife in das ewige Reich des Tinnitus beförderte, war noch der harmloseste Prototyp eines entnervten Großstadtbewohners, der die Schnauze voll hat von täglichen Belästigungen.

Der Mann, der bei Ebay Hitlers Weingläser ersteigert, seine Frau mit einem Kondom von Gaddafi vernascht und danach in Stalins Bratpfanne einen Leberkäs zur Stärkung zubereitet, gehörte schon eher zur Kategorie Durchgeknallt. Der Erfinder des mehrfach verwendbaren Sprengstoffgürtels für Selbstmordattentäter hat den Klebstoff für seinen Sprung in der Schüssel definitiv verlegt.

Die Idee, dass Frankfurt den Status der kriminellsten Stadt in Deutschland nur halten kann, wenn man den Gangstern aus fremden Ländern unbefristete Aufenthaltsgenehmigungen ausstellt, erscheint logisch. Zumindest, wenn sich Frankfurt um dieses meisterliche Prädikat bemüht.

Knebel, der mit Henni Nachtsheim als Komiker-Duo Badesalz bekannt wurde, belauscht Menschen auf der Straße, Gespräche von Rentnern, Schülern und Eltern mit Kindern. Daraus entsteht bei ihm eine Welt des normalen Wahnsinns, in der auf absurde, aber auch auf charmante Art und Weise um das physische und emotionale Überleben gekämpft wird.

Er selbst ist von allem ein bisschen. Liebevoll, witzig, frech und verrückt. Dafür gab es großen Applaus.

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