Reise in die Seele der schwarzen Musik: Osaka Monaurail im Kulturzelt

Zucken, zappeln, wirbeln

Volle Pulle Soul: Die Band Osaka Monaurail mit Frontmann: Ryo Nakata (3. von links). Foto:  Malmus

Kassel: Nach zehn Minuten fragt man sich: Geht das jetzt die ganze Zeit so weiter? Bester Funk mit auf den Punkt genauen Beats, rasanten Bläsersätzen, Soloeinlagen von Trompete und Saxofon? Osaka Monaurail, erstmals in Kassel, machen ihren Job ausgezeichnet, keine Frage. Die Musik sitzt so gut wie ihre dunklen Anzüge mit den karierten Mustern, wozu sie die obligatorischen schwarzen Blues-Brothers-Hüte tragen. Sollte das schon alles gewesen sein? Irgendwas fehlt.

Nein, dieses lange Eröffnungsstück vorgestern im Kulturzelt diente nur dazu, den Kessel auf Betriebstemperatur aufzuheizen.

Dann kommt Ryo Nakata, Vordenker der vor 20 Jahren gegründeten Band, Pate des japanischen Funks, und eine unerhörte musikalische Eruption nimmt fast zwei Stunden lang ihren Lauf. Mit fast kahl rasiertem Schädel, gelber Krawatte, weinrotem Anzug und spitzen Lackschuhen stürzt er auf die Bühne, zuckt, zappelt, wirbelt herum, stößt mit seiner kratzig-rauchigen Stimme kehlige Laute ins Mikro. Wäre es nicht etwas abgeschmackt, könnte man sagen, hier sei ein funkiger Tsunami am Werk, eine Urgewalt voller Energie und Kraft, die mitreißt, fortspült und einen irgendwo glücklich ausgelaugt wieder anschwemmt.

Eine Reise in die Sixties versprechen der vierzigjährige Nakata und seine sieben weitaus jüngeren Kollegen, eine Reise in die Seele der schwarzen Musik, in die goldene Ära des Rhythm and Blues, Funk, Soul und Jazz.

Können die das? Sie können. Man macht die Augen zu und hört: James Brown, Ray Charles, Aretha Franklin, Gladys Knight an the Pips, Sly and the Family Stone, alles ist drin in Osaka Monaurail. Und noch viel mehr.

Wohlgemerkt, sie sind keine Cover-Band, aber sie lassen den Geist dieser Ära auf erstaunliche Weise in einer perfekten Show lebendig werden, wobei perfekt mal nicht für Langeweile steht. Sie verstehen ihr Handwerk, garnieren die Musik mit witzigen Parallel-Choreografien, wobei sie die Trompeten synchron zwischen den Bläsersätzen wie Propeller drehen. Das alles wirkt locker, absolut unangestrengt, wie sie ja auch zwischen Stilen und Tempi wechseln. Es gibt eine Zugabe und die dauert eine halbe Stunde. Hier geben sie noch mal alles bis zur Selbstaufgabe, als sei es ein Zusatzkonzert: feinsten Funk und Jazz mit grandiosen Soli.

Heute im Kulturzelt, 19.30 Uhr: Max Prosa. Kartentelefon: 0561-203204.

Von Andreas Gebhardt

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