Art Cologne: Galeristen machten Millionenumsätze

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Seine Exponate erzielen Millionenwerte: Georg Baselitz

Köln. Viele rote Punkte als Verkauft-Zeichen waren auf der wichtigsten deutschen Kunstmesse neben die Künstler-Namensschildchen geklebt. Auf die Preisangaben aber wird oft verzichtet.

Mehrere Millionen Euro haben die 200 Galeristen laut Messeleitung bis Sonntag verbucht. Mit 2,3 Mio. Euro war Georg Baselitz’ Gemälde „Den Soldaten“ das teuerste Stück.

Wer es sich wohl leisten kann, mal eben für 1,35 Millionen Euro Druckplatten von Alberto Giacometti von 1954 zu erwerben? Die hat auf der Art Cologne ein einziger Käufer erstanden, im Dreierpack.

Doch für die 60 000 Besucher gab es auch Günstigeres: ein auf Pappe geklebtes Zuckertütchen mit Pflanzenbild zum Beispiel, von Joseph Beuys 1974 handschriftlich mit der Aufforderung „Laßt Blumen sprechen“ versehen. Preis: 2400 Euro.

Rundgang lohnt auch für Nichtkäufer

Wer eine solche Summe nicht für Kleingeld hält, hätte auch gut am Eingang sitzen bleiben und das Publikum beobachten können. Die 150 Stühle, die He Xiangyu aus Holz eines alten Wasserkanals gefertigt hat, erwiesen sich als erstaunlich bequem. Der junge Chinese hatte im Herbst in Bad Ems den regimekritischen Künstler Ai Weiwei als zu Boden gestürzte Wachs-Nachbildung ausgestellt. Nun hatte er mit „Man on Chairs“ einen fulminanten Messe-Auftritt. Doch natürlich lohnte der Rundgang auch für Nichtkäufer: Große Namen (Richter, Polke, Penck) trafen auf interessante Talente.

Gerade in den 20 vom Kulturstaatsminister geförderten Nachwuchs-Kojen gab es Sehenswertes, wie Fotos verlassener Ferienlager der Mussolini-Ära von Dan Dubowitz. Die Sonderschau „Open Space“ für junge Künstler hat Messechef Daniel Hug allerdings zugunsten einer New Yorker Galerien-Präsenz aufgegeben. Was die „New Art Dealers Alliance“ (Nada) präsentierte, war jedoch enttäuschend. Ebenfalls erstmals aus New York angereist: die Galerie David Zwirner. Für Kunstmarkt-Beobachter Zeichen des Kölner Bedeutungszuwachses. Zwirner vertritt ehemalige (On Kawara, Luc Tuymans) wie mutmaßliche documenta-Künstler (Franciy Alys, Carol Bove). Auch documenta-Arbeiten waren im Angebot, wie eine Installation aus 108 Zeichnungen von Ugo Dossi und Ulrike Rosenbachs „Herkules King Kong-Frau“ (1977).

Balkenhol und Förg omnipräsent

Manche Künstler schienen omnipräsent: Stephan Balkenhols Holz-Figuren (darunter eine Nackte mit Engelsflügeln) und Günther Förgs Malerei. Auch anderes wird im Gedächtnis bleiben: Michael Neubürgers faszinierende Architektur-Fotografie, Baltazar Torres’ Skulpturen mit winzigen Figürchen, Malerei von Levente Baranyai sowie Bett und Bücherregal aus bemaltem, beleuchtetem Parrafin (Karolina Nagy).

Manches war witzig: Hans-Peter Feldmanns Basteleien, ein Mini-Pool aus Beton, Fliesen und Edelstahl als Vogelbad (Ina Weber hat schon im Kasseler Kunstverein ausgestellt) oder ein Löwen-Kopf aus Lions-Schokoriegel-Verpackungen (Xavier Mary). Und Martin Kippenbergers Armaturenbrett des Opel Manta: aus Holz geschnitzt.

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